Anleger halten sich zurück und warten auf Verhandlungsergebnisse aus Athen. Auch Anzeichen auf eine Einigung können die Nerven nicht beruhigen. Die Aktien der
Commerzbank setzen ihren Höhenflug ungehindert fort.
Angesichts der weiter andauernden Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland sind Aktienanleger am Freitag auf Nummer Sicher gegangen und haben sich mit Zukäufen zurückgehalten. "Es gibt ermutigende Anzeichen, dass es in der Frage der Einbeziehung privater Anleihe-Gläubiger zu einer Einigung kommt", sagte Finanzmarkt-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. "Das würde zwar für einige Erleichterung sorgen, aber Griechenland hat immer noch Probleme vor sich." Das Steueraufkommen sei unzureichend und die Wachstumsaussichten düster.
Ein anderer Börsianer verwies auf einen anderen Aspekt. "Selbst wenn sie eine Einigung hinbekommen - wie werden dann die Iren und die Portugiesen reagieren? Im Gegensatz zu Griechenland haben die ihre Hausaufgaben gemacht. Dann könnten sie ja sagen: 'Wir wollen auch einen Schuldenschnitt.' Und was passiert dann?"
DAX und EuroStoxx50 verabschiedeten sich mit leichten Verlusten bei 6404,39 beziehungsweise 2428,96 Punkten ins Wochenende. Damit lagen sie etwa vier Prozent über den Schlusskursen der Vorwoche. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,4 Prozent höher.
Nach Aussagen eines mit der Angelegenheit vertrauten Bankers rückte eine Einigung zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern näher. Letztere würden im Rahmen eines Anleihe-Tausches auf 65 bis 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der neue Bond werde vermutlich eine Laufzeit von 30 Jahren haben und einen Tilgungsaufschub von zehn Jahren.
Vor diesem Hintergrund standen die Finanzwerte, die sensibel auf alle Nachrichten rund um Griechenland reagieren, erneut im Rampenlicht. Papiere der
Commerzbank setzten ihren Höhenflug fort und gewannen 6,3 Prozent. Am Vortag hatten die Aktien satte 15 Prozent zugelegt, nachdem das Institut angekündigt hatte, seine milliardenschwere Kapitallücke ohne staatliche Hilfe und ohne Kapitalerhöhung schließen zu wollen
Solarbranche setzt Minustrend fort
Am Freitag stellten weitere Banken, die beim jüngsten Stresstest durchgefallen waren, ihre Pläne zur Stärkung der Kapitalbasis vor. Zu den Geldhäusern mit den größten Finanzlöchern zählt die italienische Unicredit . Ihre Aktien fielen um 1,4 Prozent.
Enttäuschende Quartalszahlen des
Siemens -Konkurrenten
General Electric (
GE) lasteten auf der Branchenstimmung. "Wir sind etwas besorgt wegen der verfehlten Umsatzerwartungen, denn genau darauf liegt in dieser Bilanzsaison der Fokus des Marktes", sagte Analyst Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services.
GE verfehlte mit Einnahmen von 38 Mrd. Dollar für das vierte Quartal die Analystenerwartungen um 2 Mrd. Die Aktie büßte an der Wall Street 1,4 Prozent ein. Die Papiere der europäischen Mitbewerber
Siemens und
ABB verloren 0,4 beziehungsweise 1,4 Prozent.
Im TecDAX machte die Aussicht auf eine Kürzung der Subventionen den Solarwerten zu schaffen.
Solarworld & Co. rutschten um bis zu acht Prozent ab. Diese Maßnahme könnte Händlern zufolge die Nachfrage bremsen und den Preisdruck in der Branche erhöhen. Die im Nebenwerte-Index MDAX gelisteten Titel von
Wacker Chemie verloren 5,8 Prozent auf 72,04 Euro. Die Spezialchemie-Firma produziert das zur Herstellung von Solarzellen benötigte Polysilizium.
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