Der MDAX fiel um
1,1 Prozent auf 8283 Punkte. Der TecDAX schwächte sich um 1,2 Prozent auf 784 Zähler ab.
Getrübt wurde die Stimmung der Investoren am Nachmittag von schwachen US-Wirtschaftsdaten. In den Regionen Philadelphia und New York stieg das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe so langsam wie seit mindestens Jahresanfang nicht mehr, teilten die jeweiligen Notenbanken mit. Händler sagten, der Markt reagiere verschnupft auf die wachsenden Anzeichen für eine deutliche Abkühlung der US-Konjunktur. Daran änderte auch ein kräftiger Rückgang bei den Neuanträgen auf Arbeitslosenhilfe und ein starkes Quartalsergebnis der Großbank
JP Morgan nichts.
Spitzenreiter im TecDAX waren die Aktien des Solarunternehmens Conergy, die zum Schluss noch einen Gewinn von 4,3 Prozent auf 0,77 Euro bewahren konnten. Ihr Tageshoch hatten die Papiere bei 0,83 Euro gesehen. Auslöser hierfür war ein Bericht des "Handelsblatts", wonach die US-Firma York Capital ein wesentliches Aktienpaket an
Conergy übernehmen will. "Da ist aber noch nichts spruchreif, denn
Conergy ist noch immer ein Restrukturierungsfall", sagte ein Händler. Selbst wenn York Capital einsteige, sei für
Conergy die Frage, wie lange der Investor die Aktien tatsächlich halten wolle. Dem Bericht zufolge, der sich auf Finanzkreise beruft, überlegt York Capital auch, Conergy-Aktien aus dem Bestand der Commerzbank zu übernehmen, die nicht nur größter Kreditgeber, sondern auch größter Aktionär der Solarfirma sei. Andere Marktteilnehmer zweifelten jedoch am Wahrheitsgehalt des Berichts.
Nach der Übernahme des Rivalen Develogen waren im TecDAX auch die Titel von Evotec gefragt und zogen um 1,6 Prozent an. Die Chance auf Meilensteinzahlungen steige damit, ohne dass die komfortable Kapitalposition beeinträchtigt werde, schrieb DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus. Leichte Gewinne verzeichneten auch SMA Solar und Solarworld die um 1,6 und 1,4 Prozent stiegen.
Das Debüt des Außenwerbeunternehmens Ströer auf dem Börsenparkett verlief durchwachsen und litt am Nachmittag unter dem allgemeinen Stimmungsumschwung. Die Papiere hatten mit 20,60 Euro um drei Prozent über dem Ausgabekurs von 20 Euro eröffnet, fielen im Verlauf aber kurz unter den Platzierungspreis und schlossen schließlich exakt mit 20 Euro. Ströer erlöste 393,9 Mio. Euro. Es wurden 19,7 Millionen Aktien platziert, davon 13,75 Millionen aus einer Kapitalerhöhung. Dazu kommen 4,16 Millionen Stück, die der Finanzinvestor Cerberus abgibt, sowie rund 1,79 Millionen im Rahmen von Mehrzuteilungsoptionen. Das Angebot war nach Angaben des Unternehmens mehrfach überzeichnet. Mit den Erlösen wolle Ströer Wachstum im In- und Ausland finanzieren, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Alfried Bührdel.
Spitzenreiter im MDAX war das Immobilienunternehmen IVG mit einem Gewinn von 2,9 Prozent auf 5,25 Euro. Zwischenzeitlich hatten die Papiere ein Hoch von 5,37 Euro erreicht. Die Papiere profitierten von einem Analystenkommentar, nachdem sie im bisherigen Jahresverlauf von Anlegern vernachlässigt worden waren. Die Analysten von
HSBC hoben ihre Empfehlung für den Büroimmobilienkonzern von "untergewichten" auf "neutral" an und setzten das Kursziel um 50 Cent auf 5,50 Euro hoch. Sie begründeten dies mit einer höheren Gewinnschätzung, die wiederum auf niedrigeren Finanzierungskosten beruhe. "Wir sehen Verbesserungen beim Cash Flow", schrieben die Analysten.
Weiter aufwärts ging es auch mit den Papieren von Kabel Deutschland, die um 0,4 Prozent zulegten. Sky Deutschland rückten sogar um 2,6 Prozent vor.
Wie beim TecDAX waren aber auch bei den MDAX-Titeln die Verlierer klar in der Überzahl. Die größten Einbußen erlitten die Aktien von EADS ungeachtet eines Großauftrags aus Russland mit 4,4 Prozent. Die Airline Aeroflot bestellte neue Airbus-330-Flugzeuge für mehr als 2 Mrd. Euro. Klöckner litt unter der allgemeinen Schwäche der Stahltitel und verlor 2,4 Prozent.
Trotz der aktuellen Einbußen sehen die Analysten von
HSBC Trinkaus & Burkhardt für den MDAX im weiteren Jahresverlauf noch kräftiges Aufwärtspotenzial. Sie erwarten den Index Ende 2010 bei 9500 Punkten und sind trotz zuletzt eher enttäuschender Wirtschaftsdaten optimistisch. Die aktuellen Bewertungen seien zu niedrig, weil die Markterwartungen zu vorsichtig seien. Die Investoren bereiteten sich eher auf einen Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession und eine lange Periode unterdurchschnittlichen Wachstums vor. Angesichts anhaltend niedriger Zinsen blieben Aktien ein attraktives Investment, besonders kleine und mittlere Werte, schrieb Analyst Burkhard Weiss in einer Studie.
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