Highlights der vergangenen Berichtswoche:
Zinsentscheidungen der Zentralbanken:
Bank of England (5,00% -0,25%), EZB (unverändert), Island (15,50% +0,50), Südafrika (11,50% +0,50%).
Daten aus USA: Handelsbilanz ($-62,3B nach $-59,0B), Erstanträge Arbeitslosenhilfe (357t nach 410t), registrierte Arbeitslose (2940t nach 2937t), Importpreisindex M/M (2,8% nach 0,2%), Verbrauchervertrauen Universität of Michigan (63,2 nach 69,5), erwartete Einzelhandelsumsätze (0,2% nach -0,4%), Lagerbestände (0,6% nach 0,9%), Erzeugerpreisindex M/M (1,1% nach 0,3%), Empire State Mfg Bericht (0,6 nach -22,2), NAHB Wohnungsmarkt-Index (20 unverändert), ABC Verbrauchervertrauen (-39 nach -34), VPI M/M (0,3% nach 0,0%), Verbraucherpreisindex nsb (214.176 nach 211.693), Baubeginne (947t nach 1075t), Baugenehmigungen (927t nach 984t), Industrieproduktion (0,3% nach -0,7%), Fed´s Beige Book.
Daten aus Euroland:
Industrie Produktion M/M (-9,5% nach 8,6%), ZEW-Umfrage Konjunkturausblick (-44,8 nach -35,0), VPI M/M (1,0% nach 0,3%), VPI-Kernrate J/J (2,0% nach 1,8%).
Daten aus Deutschland:
Großhandelspreisindex M/M (1,6 nach -0,2%), ZEW-Umfrage Konjunkturausblick (-40,7 nach -32,0) aktuelle Lage (33,2 nach 32,1), VPI M/M (0,5% unverändert).
Rückblick:
Wie bereits von den Märkten erwartet, senkte die Bank of England ihren Leitzins am vergangenen Donnerstag auf 5,00%. Hier wurden die inländischen Wachstumsrisiken höher als die Inflationsrisiken eingeschätzt. Laut Händlern war dieser Schritt bereits seit Langem überfällig, da vielleicht die Schwere der in England zu erwartenden Immobilienkrise von der Notenbank unterschätzt wird. Einige hätten sich sogar einen großen Zinsschritt von 0,50% nach unten gewünscht. Die EZB hat den Leitzins wie erwartet unverändert bei 4,00% belassen und ihre Einstellung bekräftigt, dass die Inflationsrisiken gegenüber den anderen Risiken dominieren.
Positiv wurde im Bund-Future die Aussage von Herrn Trichet aufgenommen, dass die Finanzmarktkrise länger als bisher erwartet werde und die Konjunkturrisiken zugenommen haben. Der letzte Teil des Statements wurde aber von vielen Händlern als eine pure Beschönigung der Lage aufgefasst, da die Zahlen in Spanien und Italien genau das Gegenteil zeigen. Die Teuerung ist nämlich in Spanien im März auf den höchsten Stand seit 13 Jahren mit 4,6% geklettert, was nicht unterschätzt werden sollte. Das Leben in Deutschland verteuerte sich im Vergleich „nur“ um 3,2%.
Zum Wochenausklang enttäuschte dann der US Konzern
General Electric mit den Geschäftszahlen und einem gedämpften Gewinnausblick die Märkte. Verstärkt wurde dies jedoch auch noch durch den starken Rückgang des US Verbrauchervertrauen (Universität Michigan) mit dem tiefsten Stand seit März 1982. Dies bescherte den US- und Euroraum-Staatsanleihenmärkten kräftige Kursgewinne, die aber durch die negativen Inflationsnachrichten leicht gedämpft wurden.
Stark beeindrucken konnten die Quartalverluste der Banken (Bear Stearns, Wachovia Corp. und
JP Morgan) die Märkte nicht mehr und die internationalen Kapitalmärkte reagierten kaum auf diese Nachrichten. Negative Überraschungen bei den US-Erzeugerpreisen und den französischen Verbraucherpreisen, ein neues Rekordhoch beim Ölpreis, Diesel und Getreide verbunden mit einem verschärften hawkisher EZB-Tonfall brachten die Rentenmärkte zur Mitte der Woche unter Druck.
Damit ergab sich am heutigen Donnerstagmorgen folgende Ausgangslage:
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future schloss am gestrigen Abend bei 114,87% (Vw: 114,91%). Bei einem gehandelten Volumen von 1,105 Mio. Kontrakten lag die Tradingrange am gestrigen Handelstag zwischen 114,77% und 115,43% und damit innerhalb der Tradingrange der letzten Berichtswoche zwischen 114,77% und 116,13%. Der Bobl-Future schloss gestern bei 109,495% (Vw: 109,73%). Die Tradingrange lag in der vergangenen Woche zwischen 109,435% und 110,475%.
Der Euro-Schatz-Future bewegte sich zwischen 104,125% und 104,56%. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe (Bundesbankfixing) lag bei 3,982% (Vw: 4,001%). Zweijährige US-Treasuries rentierten bei 1,97% (Vw: 1,75%), fünfjährige Anleihen bei 2,81% (Vw: 2,59%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 3,69% (Vw: 3,47%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 4,50% (Vw: 4,31%).
Ausblick:
Die Quartalsberichtssaison der Banken und Firmen hat begonnen. Jedoch gehen viele Händler bereits davon aus, dass es ähnlich wie schon bei den bis jetzt veröffentlichten Verlusten kaum zu starken Marktbewegungen kommen wird. Zu Überraschungen kann es natürlich immer kommen und dadurch sind die Handelsteilnehmer weiterhin noch sehr wachsam. Fallen die Verluste bei
Merrill Lynch wirklich so hoch wie erwartet aus (6 – 8 Mrd. USD)? Ist die Bankenkrise bereits ausgestanden? Schwappt die Immobilienkrise wirklich auf Großbritannien über? Ja oder Nein: Darüber rätseln und raten auch weiterhin die Händler, die zur Zeit aktiv mit dem Handel von Finanzprodukten beschäftig sind.
Aus charttechnischer Sicht muss der Bund-Future erst die breite Range von 114,67/73 und 116,12/13 bzw. 116,47 verlassen um neue Erkenntnisse zu liefern. Dazwischen liegen jedoch einige Widerstände, die sich bei 115,04/08 und 115,72/77 befinden.
Kurioses am Rande:
Das Schmelzen von Gletschern und die Erwärmung der Ozeane könnte bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zum Ansteigen des Meeresspiegels um bis zu eineinhalb Meter führen. Dies ist das Ergebnis jüngster Berechnungen, sagten Wissenschaftler am Dienstag in Wien. Afrika und Asien würden durch einen höheren Meeresspiegel am schlimmsten betroffen sein. „Wenn es einen Anstieg um einen Meter gibt, müssen 72 Millionen Chinesen und 10% der Einwohner Vietnams (ca. 8,51 Mio.) ihren Wohnort verlassen“, sagte Jevrejeva.
Thomas Gangkofner, Baaderbank AG
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