Highlights der vergangenen Berichtswoche:
Zinsentscheidungen der Zentralbanken:
Brasilien (11,75% +0,50%), Kanada (3,00% -0,50%), Norwegen (5,50% +0,25%), Schweden (4,25% unverändert).
Daten aus USA:
Erstanträge Arbeitslosenhilfe (372t nach 355t), registrierte Arbeitslose (2984t nach 2958t), Philadelphia-Fed-Index (-24,9 nach -17,4), Wiederverkäufe Häuser M/M (-2,0% nach 2,9%), Hauspreisindex M/M (0,6% nach -1,1%), ABC Verbrauchervertrauen (-40 nach -39), MBH Hypothekenanträge (-14,2% nach 2,5%).
Daten aus Euroland:
Handelsbilanz (0,8B nach -11,0B), Bauleistung J/J (4,3% nach 3,0%), Haushaltsdefizit (-0,6% nach -1,3%), PMI verarbeitendes Gewerbe (50,8 nach 52,0).
Daten aus Deutschland:
Erzeugerpreise M/M (0,7% unverändert), PMI verarbeitendes Gewerbe (53,6 nach 55,1).
Rückblick:
Die hawkischen Äußerungen der Fed- und EZB-Vertretern am Ende der vergangenen Berichtswoche ließen nicht nur die Chancen auf Zinssenkungen sinken, sondern führten gleichzeitig zu einem erheblichen Renditeanstieg und einer bearischen Kurvenverflachung. Laut Aussage von Herrn Liebscher (EZB-Vertreter), könnten sogar Leitzinsanhebungen nicht ausgeschlossen werden. Jedoch sprechen weiterhin der Gewinnrückgang, der steigende Abschreibungsbedarf bei den großen US-Banken, eine zunehmende US-Wirtschaftsabkühlung, der ZEW-Index, das Senken der Konjunkturprognosen durch die Wirtschaftsweisen und der Verkauf der Düsseldorfer Hypobank im Zusammenhang der Finanzkrise eine eigene Sprache.
Offensichtlich glauben die Marktteilnehmer einerseits nicht mehr an eine starke Ausweitung der Krise an den Finanzmärkten und nehmen andererseits die Inflationssorgen der Zentralbanken immer ernster. Ist der Schwenk bereits berechtigt oder verfrüht? Dies ist die Frage mit der sich die Händler in der vergangenen Woche beschäftigt haben. Zu Beginn dieser Woche konsolidierten die Bondmärkte nach den heftigen Freitagsturbulenzen. Der unerwartet starke Gewinneinbruch der
Bank of America ließ die Rentenmärkte wieder höher handeln. Aber bereits am Dienstag wurde durch hawkische EZB-Äußerungen (Noyer, Garganas) wieder Öl ins Feuer gegossen und der Bund-Future drehte wieder in die Verlustzone.
Der Euro schaffte daraufhin auch erstmals den Sprung über die Marke von 1,6000 USD und handelte sogar zwischenzeitlich bei 1,6018 USD. Aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks sind die ersten Stimmen zu hören, dass „die Fed auch auf die Risiken für die Preisstabilität achten müsse“, so der Fed Governor Kevin Warsh. Das charttechnische Bild konnte sich auch in der vergangenen Berichtswoche nicht aufhellen.
Damit ergab sich am heutigen Donnerstagmorgen folgende Ausgangslage:
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future schloss am gestrigen Abend bei 113,90% (Vorwoche: 114,87%). Bei einem gehandelten Volumen von 0,954 Mio. Kontrakten lag die Tradingrange am gestrigen Handelstag zwischen 113,80% und 114,09% und damit innerhalb der Tradingrange der letzten Berichtswoche zwischen 113,58% und 114,92%. Der Bobl-Future schloss gestern bei 108,615% (Vw: 109,495%).
Die Tradingrange lag in der vergangenen Woche zwischen 108,255% und 109,505%. Der Euro-Schatz-Future bewegte sich zwischen 103,465% und 104,17%. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe (Bundesbankfixing) lag bei 4,142% (Vw: 3,982%). Zweijährige US-Treasuries rentierten bei 2,24% (Vw: 1,97%), fünfjährige Anleihen bei 2,99% (Vw: 2,81%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 3,76% (Vw: 3,69%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 4,51% (Vw: 4,50%).
Ausblick:
Wird der Stimmungsdreh der Marktteilnehmer weiterhin anhalten oder werden den Markt weitere Abschreibungen aus der Finanzmarktkrise schocken? Die Markteinschätzung bezüglich der am nächsten Dienstag stattfindenden FOMC-Sitzung hat sich in den letzten Tagen sehr stark verändert. Wenn man die Fed Funds Futures betrachtet, gehen zur Zeit die meisten Marktteilnehmer (82%) nur noch von einem kleinen Zinsschritt auf 2,00% aus. Die restlichen 12% gehen von keiner Zinssenkung der Fed aus. Vor ca. einer Woche war die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Herabsetzung um 50 Basispunkte noch bei 50%. Ob die Fed das macht, was die Marktteilnehmer wollen, werden wir dann am Dienstag sehen.
Gespannt warten die Händler bereits auf die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex, der über die wirtschaftliche Lage auf unserer Seite des Atlantiks Aufschluss geben sollte. Laut den Indikatoren der Charttechnik, bleibt auch weiterhin das negative Bild vorhanden und es könnte sogar die Abwärtsbewegung fortgesetzt werden. Vorraussetzung dafür wäre aber der nachhaltige Bruch des Doppeltiefs aus der vergangenen Woche bei 113,63/58, was die Marke beim Bund-Future von 112,80 ins Spiel bringen dürfte. Entwarnung gibt es aber erst bei Kursen über 114,23/32, was zu einem Test des Hochs bei 114,50 führen könnte. Erst über dieser Marke würde sich die Charttechnik wieder neutralisieren.
Kurioses am Rande:
Deutsche Privatkunden müssen für Strom durchschnittlich 14,33 Cent/rund 22% mehr als der europäische Durchschnitt pro kWh (ohne Steuern) zahlen. Teurer ist Strom nur in Irland (14,65 Cent), Luxemburg (15,09 Cent) und Italien (16,58 Cent).
Thomas Gangkofner, Baaderbank AG
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