Highlights der vergangenen Berichtswoche:
Zinsentscheidungen der Zentralbanken:
in dieser Woche gab es keine wichtigen Zinsentscheidungen. Lediglich in Thailand wurde der Leitzins um 0,25% auf 3,50% erhöht.
Daten aus USA:
Erstanträge Arbeitslosenhilfe 346t nach 404t / Registrierte Arbeitslose 3.202t nach 3.111t / Importpreisindex unv. +2,6% (MoM), +20,5% nach +18,8% (YoY) / University of Michigan Verbrauchervertrauen 56,6 nach 56,4 / Erzeugerpreisindex +1,8% nach +1,4% (MoM), +9,2% nach +7,2% (YoY) / PPI ex Nahrung und Energie unv. +0,2% (MoM), unv. +3,0% (YoY) / erwarteter Einzelhandelsumsatz Juni +0,1% nach +0,8%, ex-Autos +0,8% nach +1,2% / Lagerbestände +0,3% nach +0,5% / ABC Verbrauchervertrauen unv. -41 / MBA Hypothekenanträge +1,7% nach +7,5% / VPI +1,1% nach +0,6% (MoM), +5,0% nach +4,2% (YoY) / VPI ex Nahrung und Energie +0,3% nach +0,2% (MoM), +2,4% nach +2,3% (YoY) / Industrieproduktion +0,5% nach -0,2% / Kapazitätsauslastung 79,9% nach 79,6%.
Daten aus Euroland:
Industrieproduktion Mai sb -1,9% nach +1,0% (MoM) / ZEW-Umfrage Konjunkturausblick -63,7 nach -52,7 / VPI +0,4% nach +0,6% (MoM), unv. +4,0% (YoY) / VPI-Kernrate +1,8% nach +1,7% (YoY).
Daten aus Deutschland:
Großhandelspreisindex Juni +0,9% nach +1,4% (MoM), +8,9% nach +8,1% (YoY) / ZEW-Umfrage Konjunkturausblick -63,9 nach -52,4 / ZEW-Umfrage (aktuelle Lage) 17,0 nach 37,6 / VPI Juni unv +0,3% (MoM), unv. +3,3% (YoY).
Rückblick:
Tradingrange während der Berichtswoche: Euro-Bund-Future zwischen 112,88% und 111,56%, Euro-Bobl-Future zwischen 107,31% und 106,29%, Euro-Schatz-Future zwischen 102,955% und 102,52%.
Die gesamte Berichtswoche stand unter stets neuer Hiobsbotschaften bezüglich eventueller und tatsächlicher Ausfällen im US-Bankensystem. Vor neun Monaten waren noch viele Analysten und auch Notenbankvertreter davon ausgegangen, dass diese Krise schnell wieder ad acta gelegt werden könnte, aber inzwischen müssen sich viele eingestehen, die Situation unterschätzt zu haben. Aus dem Feuer ist ein Flächenbrand geworden und was alles noch den Flammen zum Opfer fallen wird, bleibt abzuwarten. Nach einem klassischen „Run“ gingen der Regionalbank IndyMac am vergangenen Freitag die flüssigen Mittel aus. Dies führte zum größten Banken-Crash in den USA seit dem Kollaps der Continental Illinois National Bank im Jahre 1984, denn die Kundeneinlagen belaufen sich auf ca. 32 Mrd. USD. Der Staat musste zur Seite springen, um Schlimmeres zu verhindern!
Vor diesem Hintergrund pendelten die Rentenmärkte nach den entsprechenden Meldungen zu neuen Risiken im Finanzsektor, damit einhergehender sehr volatiler Aktienmärkte, einem neuen Allzeithoch beim Euro gegenüber dem USD (1,6038), nachgebenden Preisen für Rohöl und andere Rohstoffe, diverser Kommentare führender Notenbanker und der Verlautbarung des US-Finanzministers Hank Paulson zum Stützungspaket für die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac in einer großen Bandbreite auf und ab. Spreadverschiebungen haben vielen Händlern immer wieder Schweiß- bzw. Angstperlen auf die Stirn getrieben.
Freddie Mac und Fannie Mae dürften das größte Problem für den US-Bankenmarkt darstellen, denn die Banken haben Schuldverschreibungen in einer Höhe von ca. 5.500 Mrd. USD in ihren Büchern. Dies entspricht etwa einem Drittel des US-BIP bzw. dem doppelten des deutschen BIP! Die Steigerung der US-Importpreise um 20,5% -der höchsten gemessenen Jahresrate seit 25 Jahren- und ein Rückgang des US-Handelsbilanz-Defizit von -59,8 Mrd. USD nach -60,5 Mrd. USD führten ebenfalls nicht zu einer Beruhigung der Rentenmärkte. Der in diesem Zusammenhang mit großer Spannung erwartete Auftritt von Ben Bernanke vor dem Senate Banking Committee brachte allerdings kaum Neuigkeiten, denn es wurde nur Altbekanntes bestätigt. Die amerikanische Notenbank fürchtet weiterhin Inflations- und Konjunkturrisiken.
Damit ergab sich am heutigen Donnerstagmorgen folgende Ausgangslage:
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future schloss am gestrigen Abend nach einer Tagesrange zwischen 112,79% und 112,12% bei 112,30% (Vw: 112,20%). Das gehandelte Volumen betrug lediglich 0,886 Mio. Kontrakte. Der Euro-Bobl-Future schloss bei 106,865% (Vw: 106,775%) und der Euro-Schatz-Future bei 102,80% (Vw: 102,665%).
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe (Bundesbankfixing) lag bei 4,367% (Vw: 4,454%). Zweijährige US-Treasuries rentierten bei 2,13% (Vw: 2,39%), fünfjährige Anleihen bei 3,19% (Vw: 3,08%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 3,93% (Vw: 3,82%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 4,58% (Vw: 4,42%).
Ausblick:
Angesichts der aktuellen Ereignisse im Bankensektor scheint die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des US-Finanzsystems kurzfristig das entscheidende Ziel der Fed zu sein. Diesem Ziel wird alles untergeordnet und es ist auch davon auszugehen, dass die anstehende Zinserhöhung hinausgezögert werden wird. Bei den in der vergangenen Woche veröffentlichten Inflationsdaten wird dieser Weg kein leichter sein, um mit den Worten von Xavier Naidoo zu sprechen. Die Krise im US-amerikanischen Bankensystem wird dazu führen, dass die Banken zögerlich bei der Neuvergabe von Krediten agieren werden und somit die Konjunktur nicht stützen können. Der USD kann in diesem Umfeld an Kraft verlieren und dies könnte wiederum zu einer Belebung des Exports führen. Anzeichen einer solchen Abfolge hat die Auswertung der veröffentlichten Handels-bilanzdaten ergeben.
Aber auch für die EZB ist inzwischen eine heikle Situation entstanden, denn Deutschland fungierte bislang als Wachstums-lokomotive für den gesamten Euroraum. Würde sich die deutsche Wirtschaft deutlich abkühlen, so würde auch das bei den aktuellen Inflationszahlen das Schreckgespenst „Stagflation“ auf den Plan rufen. Eine Stagflation dies- und jenseits des Atlantiks wäre für die weltweiten Kapitalmärkte sicherlich ein Fiasko. Die Charttechnik ist angesichts der prekären Situation eine wichtige Orientierungshilfe bei der Beurteilung der Marktentwicklung. Die Tradingrange des Euro-Bund-Future wird von Analysten in der Bandbreite zwischen 111,66% und 113,09% gesehen und erst beim Durchbrechen dieser Marken wird es zu verstärktem Handlungsbedarf bei den Investoren kommen.
Klaus Stopp Baaderbank AG
Empfehlen