In den ersten Wochen des Jahres stellen viele Anleger ihre Depots neu auf. Die entscheidenden Fragen sind: Wo lohnt ein Investment? Welcher Markt, welche Region läuft besser als die anderen? Viele Experten glauben die Antwort zu kennen: Japan!

Die Überraschung ist gelungen: Schaut man auf die Ausblicke von Investmenthäusern und die Geschichten mehrerer Anlegermagazine, sollte eine zuletzt stark abgestrafte Region im Jahr 2012 zu den besten zählen - Japan. Die Argumente der Optimisten sind nachvollziehbar. Schließlich dürfte der japanische Markt nach einigen mageren Jahren viel Aufholpotenzial bieten, insbesondere vor dem Hintergrund der schwierigen Situation des vergangenen Jahres.
Allen sind die TV-Bilder aus dem Frühjahr 2011 noch im Gedächtnis, als eine Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atom-GAU das exportstarke Land für Wochen lahmlegte. Sony-Chef Sir Howard Stringer fasste die Lage damals so zusammen: "Außer Kröten und Pestilenz hatten wir dieses Jahr alles." Kein Wunder, dass der Nikkei an der Tokioter Börse das Handelsjahr auf dem niedrigsten Schlussstand seit 29 Jahren beendete.
Nun soll alles besser werden: Ein gigantisches Wiederaufbauprogramm kurbelt die Wirtschaft an - die Notenbank rechnet immerhin mit einem Plus von zwei Prozent. Und es sind nicht nur die Autobauer, die ehrgeizige Absatz- und Gewinnziele haben. Laut Berechnungen von Nomura Securities bei rund 350 großen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors dürften die Vorsteuergewinne 2012 um satte 24 Prozent steigen. Störfeuer aus der schwankenden Euro-Zone ist dabei nicht zu erwarten. Der Außenhandel macht in Summe gerade einmal ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts aus. Hinzu kommt: Japanische Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 im langjährigen Vergleich stark unterdurchschnittlich bewertet.
Also nichts wie rein in den Markt des Landes der aufgehenden Sonne?

Warten Sie besser ab! Es gibt genügend Argumente, die gegen einen Einstieg sprechen: Allen voran der starke Yen, der die Exporte verteuert und dazu führt, dass Unternehmen ins Ausland abwandern. Der Höhenflug der Währung konnte auch durch eine konzertierte Aktion der G7-Staaten 2011 nicht gestoppt werden. Hinzu kommt die weiterhin hohe Staatsverschuldung von rund 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die 2012 wegen des Wiederaufbauprogramms noch steigen dürfte, selbst wenn die Steuereinnahmen zulegen. Die angekündigte Verdoppelung der Mehrwertsteuer dürfte den Konsum ebenso wenig nachhaltig beflügeln.
Auch wenn ich mir inzwischen vorkomme wie ein Papagei, der immer dasselbe sagt - bereits 2010 und 2011 hatte ich vom Kauf japanischer Aktien abgeraten; in beiden Jahren entwickelte sich der Nikkei dann auch schlechter als DAX, Dow Jones und MSCI World - bleibe ich doch dabei: 2012 dürfte erneut kein Jahr für japanische Aktien werden.

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