Ralf Goerke ist Autor des Börsendienstes „MomentumInvestor“, Buchautor und Betreiber des Portals
Momentumstrategie. Das Interesse des gelernten Bankkaufmanns für die technische Analyse hat dazu geführt, dass er eine Reihe von eigenen Indikatoren entwickelt und die Strategie der Relativen Stärke des Amerikaners Robert Levy weiter verbessert hat. Außerdem ist es ihm gelungen, die Güte und Verfassung des internationalen Aktienklimas messbar zu machen und visuell darzustellen.
Das Börsenjahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen. Viel ist in den verbleibenden Tagen bis zur Jahreswende nicht mehr zu erwarten. Im Jahresverlauf haben die fünfzig wichtigsten internationalen Indizes bis einschließlich 19. Dezember im Durchschnitt 17,4% verloren. Die beste Börse ist bis jetzt die Rohstoff-Börse in Johannesburg mit einem Jahresplus von 4,6%. Der schlechteste Index ist – dreimal dürfen Sie raten – der Athen General-Index mit einem Verlust von 54,0% seit Jahresbeginn! Aber auch die Österreicher hat es kalt erwischt. Der ATX fiel um 38,4%! Das bedeutet Platz 2 der Hauptverlierer 2011.
Nennenswert ist dann allenfalls noch der Dow Jones-Index, der bis dato ein kleines Plus von 1,6% vorweisen kann – immerhin. Die deutschen Indizes zeigen bisher folgende Performance: DAX (-18,0%), TecDAX (-22,4%), MDAX (-16,2%) und SDAX (-18,2%). Von den hier regelmäßig beobachteten internationalen Indizes liegen zum jetzigen Zeitpunkt 45 im Minus, während nur fünf ein Plus vorweisen können. Dieses Jahr ging also eindeutig an die Bären, was im Übrigen nichts Schlechtes sein muss.
Die vorliegende Grafik in Bild 1 zeigt den Aktienklima-Indikator über einen Zeitraum von genau drei Jahren. Er visualisiert die Trendentwicklung an den internationalen Börsen. Fällt er unter seinen Schwellenwert (1,0), bedeutet das, dass Gefahr im Verzug ist. Das Depot sollte geräumt werden. Dieses Signal erhielt der Anleger am 21. Juni 2011 – fünf Wochen bevor der DAX dann Anfang August um bis zu 30% einbrach! Lesen Sie dazu bitte auch meinen Artikel in dieser Rubrik vom 28. Juni „Indikatoren stehen auf Verkauf“ nach.
Damit hat sich der Aktienklima-Indikator erneut (wie auch schon im Crash-Jahr 2008!) als einzig relevanter und valider Börsen-Indikator gezeigt und seinem Status als bester technischer Indikator überhaupt wieder einmal alle Ehre gemacht. Und das in einem Jahr, das viele im Nachhinein als schwieriges Aktienjahr betrachten. Dies macht auch deutlich, dass es allemal besser ist, rechtzeitig auf Marktveränderungen flexibel zu reagieren als mit einer einmal vorgefassten Meinung („DAX 8.000“) sein Depot sehenden Auges in den Keller zu reiten.
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