Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal
kb-assets. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”
Liebe Leserinnen und Leser,
nachdem die bedeutendsten Indizes seit Monaten in Seitwärtstrends gefangen sind, werden die fundamentalen Gründe dafür nun immer deutlicher. Den meist positiven Unternehmensdaten stehen fallende US-Frühindikatoren gegenüber. Eigentlich keine guten Nachrichten für die Bullen. Trotzdem aber zeigt der innere Markt deutliche Kapitalzuflüsse und deutet an, dass das „Smart Money“ auf eine Fortsetzung des Aufschwungs spekuliert.
Zum Glück für die Daheimgebliebenen ist die aktuelle Börsensituation viel spannender, als man es in der sprichwörtlichen Sommerflaute erwarten dürfte. In den vergangenen Tagen wurde in den Medien viel über den angeblichen Stresstest der Banken diskutiert. Wegen der nur sehr geringen Anforderungen des Tests an die Banken bezeichne ich diesen eher als einen verzweifelten Versuch der Bürokraten, mit allen Mitteln das Vertrauen der Marktteilnehmer in den Bankensektor zu erhöhen. Folgerichtig zeigten sich die Banktitel schon einige Tage vor der Veröffentlichung und sogar gegen den damals noch schwachen Markt, überraschend fest. Die „starken Hände“ im Markt erkannten also frühzeitig, dass der Test nach zahlreichen Interventionen und Verwässerungen seitens der nach wie vor starken Bankenlobby ein „Non-Ereignis“ ist, und griffen beherzt bei den zuvor verprügelten Bankaktien zu. Die relative Stärke der konjunktursensiblen Banken ist fundamental schwer zu begründen, da deren Quartalszahlen sehr durchwachsen waren und keinesfalls positiv überraschten. Vor allem die Zurückhaltung in der Kreditvergabe enttäuschte erneut, aber offenbar wurde seitens der Marktteilnehmer schlimmeres erwartet.
Konjunkturelle Daten bleiben widersprüchlich
Obwohl es grundsätzlich fragwürdig ist, nach den Motiven der Käufer zu fahnden, ist dies aktuell spannender als in vielen anderen Börsenphasen. Immerhin warnte erst vor einer Woche kein geringerer als der US-Notenbankchef Bernanke vor den außergewöhnlich hohen konjunkturellen Risiken. Konkret sprach er den darniederliegenden Immobilien- und den Arbeitsmarkt an. In beiden Märkten sei keine nennenswerte Erholung zu beobachten. Obwohl es sich verrückt anhört, waren diese kritischen Worte von Bernanke der Katalysator für die folgenden freundlichen Handelstage. Es wurde deutlich, dass die FED für einen noch viel längeren Zeitraum als ursprünglich geplant die Märkte sehr liquide halten wird und mit weiteren ungewöhnlichen fiskalen Stützungsaktionen zu rechnen ist. Dadurch wurde einigen Händlern die Angst vor einer „Double-Dip-Rezession“ genommen und auch das Schreckgespenst der drohenden Deflation verblasste etwas. Man kann also davon ausgehen, dass die jüngsten Kurssteigerungen nicht nur von notorischen Optimisten verursacht worden sind, die die stark eingetrübten US-Frühindikatoren übersehen haben. Vielmehr steigen aktuell die Kurse, da das „Smart-Money“ auf eine nur vorrübergehende Abkühlung spekuliert, die durch die außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbanken bald wieder auf einen steileren Erholungspfad befördert wird. Auf dieses Szenario deuten zumindest die freundlichen Kurse der Bankaktien, die stark von der hohen Menge an Notenbankgeld profitieren. Denn je billiger sich die Banken refinanzieren können, gleichzeitig aber kaum Kredite an die Wirtschaftssubjekte ausgeben, desto höher sind die Summen die im Eigenhandel eingesetzt werden können. Es darf also damit gerechnet werden, dass langfristig eine neue Blase aufgepumpt wird, mittelfristig aber eine irrsinnige Geldmenge auf die Spieltische der Wall Street schwappt.
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