Herr Intelmann, die Verhandlungen
zwischen Griechenland und
seinen privaten Gläubigern über
eine Umschuldung scheinen kein
Ende zu finden und auch kein
Ergebnis zu bringen. Zudem sieht
es zunehmend so aus, als verliere
die europäische Politik die Geduld
mit den Verantwortlichen in
Athen. Wie schlägt sich das an den
Finanzmärkten nieder?
Jochen Intelmann: Der Markt ist sehr
nervös. Es irritiert, dass noch immer
keine Einigung gefunden ist. Man
hatte in den vergangenen Wochen
schon so häufig den Eindruck, dass
eine Lösung nahe ist, doch dann waren
die selbst gesetzten Fristen wieder
ohne Ergebnis verstrichen. Das zerrt
an den Nerven der Investoren. Dies
zeigt sich an den Kursgewinnen von
Bundesanleihen, deren Renditen
zuletzt schon wieder gefallen sind.
Dabei waren ja zuletzt eine Reihe
wichtiger Konjunkturdaten wie die
US-Arbeitsmarktzahlen überraschend
gut ausgefallen. Das hatte
etwa den Aktienmärkten viel
Schwung gegeben und den Euro
gestützt. Bremst die Entwicklung
in Griechenland also die Märkte
wieder aus?
Intelmann: Die Einschätzung vieler
Marktteilnehmer ist, dass die Konjunktur
mit einer Delle davonkommt
und der Welthandel besser als erwartet
läuft. Die Europäische Zentralbank
ist sehr expansiv und damit eine wichtige
Stütze. Zugleich hat jeder Angst
vor dem, was bei einem Austritt Griechenlands
aus dem Euro-Verbund passieren
würde.
Ist das ein realistische Szenario?
Intelmann: Es stimmt nachdenklich,
wenn selbst ein großer Europäer wie
der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude
Juncker, der Griechenland immer im
Euro halten wollte, in einem Interview
darüber nachdenkt, ob die Rettungsbemühungen
gescheitert sind.
Ein möglicher Austritt macht vielen
Angst, weil man nicht abschätzen
kann, welche Wellen das schlagen
würde. Als
Lehman Brothers 2008
pleiteging, sagte man auch: Der
Zusammenbruch einer Bank ist
beherrschbar. Angesichts dessen, was
dann folgte, würde man heute möglicherweise
anders handeln. Nicht zu
vergessen ist auch die Angst vor
möglichen Ansteckungseffekten.
Ist die Lage mit einem Ultimatum
Europas an Athen nicht vollends
verfahren? Wie will man da wieder
herauskommen?
Intelmann: Ich glaube nach wie vor an
einen positiven Ausgang der Verhandlungen.
Käme es zu einer unkontrollierten
Staatspleite Griechenlands,
müsste der gesamte europäische
Fiskalpakt wohl neu verhandelt
werden. Ich kann mir nicht vorstellen,
dass die europäische Politik dieses
Übereinkommen gefährden will. Allerdings
ist die Lage in der Tat ziemlich
festgefahren. Es ist nun wichtig,
eine Lösung zu finden, die alle Seiten
mittragen können, ohne ihr Gesicht zu
verlieren. Das gilt gleichermaßen für
die Politiker in Athen, die Banken und
die Troika aus der Europäischen Zentralbank,
dem Internationalem Währungsfonds
und der Europäischen
Kommission.
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