Michael Rottmann, Chefdevisen- und anleihestratege bei Unicredit, über den Kampf der Schweizer Notenbank gegen den starken Franken und die Zukunft des Instituts nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand.
Herr Rottmann, war es notwendig,
dass Philipp Hildebrand als
Präsident der Schweizer Nationalbank
(SNB) zurücktritt?
Michael Rottmann: Über die Notwendigkeit
eines solchen Schrittes kann
man sicherlich streiten. Doch wenn
ein Notenbanker oder einer seiner Familienangehörigen
privat mit Währungen
handelt, ist dies immer eine
heikle Situation. Deswegen war der
Rücktritt schon richtig, auch wenn
man jetzt nicht unbedingt einen Vertrauensverlust
gegenüber der SNB erkennen
konnte.
Besteht jetzt das Risiko, dass sich
die Strategie der SNB in nächster
Zeit ändert, falls der jetzige Vizechef
Thomas Jordan oder Direktoriumsmitglied
Jean-Pierre
Danthine neuer Notenbankchef
wird?
Rottmann: Nein, das ist nicht zu erwarten.
Die jetzige Spitze hat die SNB
durch die Finanzkrise geführt. Auch in
Zukunft dürften die Währungshüter
dem Markt glaubhaft vermitteln können,
die Untergrenze zum Euro bei
1,20 Schweizer Franken zu verteidigen.
Diese Schwelle war Anfang September
eingeführt worden, nachdem
die Schweizer Unternehmen bereits
heftig und länger unter der starken
Franken-Aufwertung zu leiden hatten.
Der gestrige Schreck an den
Märkten nach dem Rücktritt war
schnell vorüber. Nur kurzzeitig fiel
der Euro-Kurs auf 1,21 Franken.
Also erwarten Sie, dass der
Schweizer Franken in den kommenden
Monaten noch günstiger
im Vergleich zum Euro wird?
Rottmann: Ja, wir sehen den Euro bis
Ende des laufenden Jahres bei
1,28 Franken, also gut fünf Prozent
teurer als heute. Wahrscheinlich wird
die Notenbank bis dahin die Untergrenze
auf 1,25 Franken angehoben
haben.
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