Interview

Kurzinterview "Der Franken wird günstiger werden"

[11:24, 10.01.12]


Michael Rottmann, Chefdevisen- und anleihestratege bei Unicredit, über den Kampf der Schweizer Notenbank gegen den starken Franken und die Zukunft des Instituts nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand.


Herr Rottmann, war es notwendig, dass Philipp Hildebrand als Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB) zurücktritt?

Michael Rottmann: Über die Notwendigkeit eines solchen Schrittes kann man sicherlich streiten. Doch wenn ein Notenbanker oder einer seiner Familienangehörigen privat mit Währungen handelt, ist dies immer eine heikle Situation. Deswegen war der Rücktritt schon richtig, auch wenn man jetzt nicht unbedingt einen Vertrauensverlust gegenüber der SNB erkennen konnte.

Besteht jetzt das Risiko, dass sich die Strategie der SNB in nächster Zeit ändert, falls der jetzige Vizechef Thomas Jordan oder Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine neuer Notenbankchef wird?

Rottmann: Nein, das ist nicht zu erwarten. Die jetzige Spitze hat die SNB durch die Finanzkrise geführt. Auch in Zukunft dürften die Währungshüter dem Markt glaubhaft vermitteln können, die Untergrenze zum Euro bei 1,20 Schweizer Franken zu verteidigen. Diese Schwelle war Anfang September eingeführt worden, nachdem die Schweizer Unternehmen bereits heftig und länger unter der starken Franken-Aufwertung zu leiden hatten. Der gestrige Schreck an den Märkten nach dem Rücktritt war schnell vorüber. Nur kurzzeitig fiel der Euro-Kurs auf 1,21 Franken.

Also erwarten Sie, dass der Schweizer Franken in den kommenden Monaten noch günstiger im Vergleich zum Euro wird?

Rottmann: Ja, wir sehen den Euro bis Ende des laufenden Jahres bei 1,28 Franken, also gut fünf Prozent teurer als heute. Wahrscheinlich wird die Notenbank bis dahin die Untergrenze auf 1,25 Franken angehoben haben.


 

© 2012 ftd

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