Interview

Kurzinterview "Portugal ist nicht mit Griechenland zu vergleichen"

[12:38, 31.01.12]


Portugal braucht weitere Unterstützung Europas, um seine Reformen umzusetzen, sagt Johannes Mayr, Europa-Volkswirt bei der BayernLB - und fordert ein Signal der Politik.


Herr Mayr, droht in Portugal eine Entwicklung wie in Griechenland?

Johannes Mayr: Portugal ist nicht mit Griechenland zu vergleichen. In Griechenland sind die Wachstumsaussichten viel schlechter. Durch die Diskussion um den Schuldenschnitt oder gar eine unkontrollierte Staatspleite Griechenlands rückt aber auch Portugal in den Blickpunkt. Es gibt die Befürchtungen, dass das Land aufgrund seiner geringen Größe nicht so sehr im Fokus der Rettungsbemühungen steht.

Was kann Portugal helfen?

Mayr: Es ist wichtig, dass die Politik den Märkten nun signalisiert, dass die Entwicklung in Griechenland mit einem deutlichen Forderungsverzicht die Ausnahme bleibt und es keine Kettenreaktion in der Euro-Zone geben wird. Dafür ist proaktives Handeln nötig, damit Portugal Zeit zur Umsetzung seiner Reformmaßnahmen bekommt. Es müssten entweder die bestehenden Hilfszusagen über 2013 hinaus verlängert oder ein zweites Programm aufgelegt werden. Man braucht Geduld, Reformen brauchen häufig eine Weile bis sie wirken. Die portugiesische Regierung hat alle Möglichkeiten, auch schmerzhafte Einschnitte durchzusetzen: Sie hat die Unterstützung der Bevölkerung und eine breite Mehrheit im Parlament.

Die EZB musste zuletzt die Rentenmärkte kaum noch mit Käufen von Staatsanleihen stützen. Ein Zeichen der Entspannung?

Mayr: Das Volumen ist seit Mitte Dezember gesunken. Dies ist ein Zeichen, dass der Druck der Märkte auf Italien und Spanien nachgelassen hat. Italien hat neben dem Vertrauensvorschuss gegenüber der neuen Regierung und ihren Reformplänen geholfen, dass die EZB äußerst viel Liquidität bereitgestellt hat. Diese sucht nun Rendite.


 

© 2012 ftd

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