Portugal braucht weitere Unterstützung Europas, um seine Reformen umzusetzen, sagt
Johannes Mayr, Europa-Volkswirt bei der BayernLB - und fordert ein Signal der Politik.
Herr Mayr, droht in Portugal
eine Entwicklung wie in Griechenland?
Johannes Mayr: Portugal ist nicht mit
Griechenland zu vergleichen. In Griechenland
sind die Wachstumsaussichten
viel schlechter. Durch die Diskussion
um den Schuldenschnitt oder gar
eine unkontrollierte Staatspleite Griechenlands
rückt aber auch Portugal in
den Blickpunkt. Es gibt die Befürchtungen,
dass das Land aufgrund seiner
geringen Größe nicht so sehr im Fokus
der Rettungsbemühungen steht.
Was kann Portugal helfen?
Mayr: Es ist wichtig, dass die Politik
den Märkten nun signalisiert, dass die
Entwicklung in Griechenland mit
einem deutlichen Forderungsverzicht
die Ausnahme bleibt und es keine Kettenreaktion
in der Euro-Zone geben
wird. Dafür ist proaktives Handeln
nötig, damit Portugal Zeit zur Umsetzung
seiner Reformmaßnahmen
bekommt. Es müssten entweder die
bestehenden Hilfszusagen über 2013
hinaus verlängert oder ein zweites
Programm aufgelegt werden. Man
braucht Geduld, Reformen brauchen
häufig eine Weile bis sie wirken. Die
portugiesische Regierung hat alle
Möglichkeiten, auch schmerzhafte
Einschnitte durchzusetzen: Sie hat die
Unterstützung der Bevölkerung und
eine breite Mehrheit im Parlament.
Die EZB musste zuletzt die Rentenmärkte
kaum noch mit Käufen von
Staatsanleihen stützen. Ein
Zeichen der Entspannung?
Mayr: Das Volumen ist seit Mitte Dezember
gesunken. Dies ist ein Zeichen,
dass der Druck der Märkte auf
Italien und Spanien nachgelassen hat.
Italien hat neben dem Vertrauensvorschuss
gegenüber der neuen Regierung
und ihren Reformplänen geholfen,
dass die EZB äußerst viel Liquidität
bereitgestellt hat. Diese sucht nun
Rendite.
Empfehlen