Interview

Max Otte im Interview "Diese Steuer bremst die Zocker aus!"

[07:30, 07.02.12]


Max Otte, der Leiter des Instituts für Vermögensentwicklung, spricht über die möglichen Folgen einer Finanztransaktionssteuer - und verrät, welche Aktienfonds sich am besten für Kleinanleger eignen.


Max Otte

 Max Otte

Herr Otte, mit der angedachten Finanztransaktionssteuer soll eine Abgabe von 0,1 Prozent beim Kauf oder Verkauf von Aktien anfallen sowie 0,01 Prozent beim Handel mit Derivaten. Die Fondsbranche hat ausgerechnet, dass dadurch selbst Riester-Sparer bis zu 14.000 Euro zusätzliche Kosten stemmen müssen. Sollten sich Kleinanleger vor der Steuer fürchten?

Max Otte: Kleinsparer müssen vor der Steuer keine Angst haben. Die Abgabe steht in enger Beziehung zur Umschlagshäufigkeit in einem Depot.

Dann müssen sich aktive Privatanleger aber doch Sorgen machen…

Otte: Wer als Day-Trader unterwegs ist, ist natürlich von dieser Steuer betroffen, weil für jeden Trade Steuern fällig werden. Sobald man aber seine Aktien etwas langfristiger hält, ist die Besteuerung vollkommen irrelevant.

Und wenn sich ein Investor einen aktiven Fonds aussucht?

Otte: Ein seriöser Fonds schichtet vielleicht alle ein, zwei Jahre einmal um, manchmal auch nur alle drei Jahre. Das bedeutet, dass ein Kleinsparer einmal pro Jahr diese 0,01 bzw. 0,1 Prozent bezahlen würde, während die Fondsmanagementgebühren in derselben Zeit bis zu drei Prozent betragen.

Aber die Fondsbranche…

Otte: Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Finanztransaktionssteuer beläuft sich höchstens auf fünf Prozent dessen, was sich die Banken vom Anlegervermögen im selben Zeitraum reinziehen – egal, wie man es rechnet.

Die Kleinsparer trifft diese Abgabe Ihrer Ansicht nach also nicht. Aber die Zocker werden dadurch doch ausgebremst?

Otte: Absolut! Diese Steuer ist ein Instrument, um die Zockerbranche aufzuhalten! Denn es geht bei der Abgabe auch um spekulative Investments mit einem hohen Fremdkapitalanteil.

Und da private Kleinanleger in aller Regel Eigenmittel einsetzen, müssen sie sich nicht sorgen?

Otte: Nur die Branche fürchtet sich vor der Steuer. Denn sie wirkt sich auf alle Transaktionen aus. Kurzfristige Geschäfte werden dabei besonders stark zur Kasse gebeten. Damit würden viele Derivate-Spielereien unrentabel. Aber ich sehe auch nicht ein, warum Kleinanleger und private Sparer mit Derivaten in Berührung kommen sollten.

Viele automatisierte Transaktionen würden sich dann nicht mehr rechnen…

Otte: Genau. Diese Steuer macht verschiedene Computermodelle sofort unrentabel. Dort sind die Margen sehr klein und selbst die niedrigen Prozentanteile der Abgabe wirken sich deutlich aus. Wenn man das Vermögen dreißigmal im Monat dreht, muss mit deutlichen Abstrichen rechnen.

Dass Sie ein Fan langfristiger Anlagen sind, ist bekannt. Wie finden Investoren den passenden Fonds?

Otte: Kleinanleger oder auch Riester-Sparer sollten sich einen deutschen, europäischen oder globalen Aktienfonds suchen, der nach der wertorientierten Methode agiert und relativ wenig umschichtet - und dann langfristig das Ding besparen. Das wäre die beste Variante.

Max Otte leitet seit 2003 das von ihm gegründete Institut für Vermögensentwicklung (IFVE). Darüber hinaus ist er unabhängiger Fondsmanager und Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Worms und für quantitative und qualitative Unternehmensanalyse an der Uni Graz. Der 47-Jährige beschäftigt sich vor allem mit der Finanzmarktordnung und wertorientierten Anlagemethoden (Value Investing).




 

© 2012 boerse-online.de, © Illustration: BÖRSE ONLINE/Bernd Bodtländer

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