Wie Pedro de Noronha rechnen viele Geldmanager in Europa damit, dass die Wachstumsrakete der Weltwirtschaft dieses Jahr unsanft aus ihren schwindelerregenden Höhen abstürzen könnte - und die Märkte dann mit sich reißt. Ein neues Notsignal erreichte die Finanzbranche am Dienstag, als China für das vierte Quartal die niedrigste Wachstumsrate seit zweieinhalb Jahren vermelden musste. "Wir sind ziemlich skeptisch und besorgt", erklärt Noronha. Längst wetten Hedgefonds wie seine Firma Noster Capital auf eine Bruchlandung der chinesischen Wirtschaft.
Sie setzen darauf, dass eine dramatische Abkühlung der chinesischen Konjunktur in diesem Jahr brutal einschlagen wird - auf den Aktien- und Rohstoffmärkten, bei den Unternehmen und der Wirtschaft insgesamt. Um von einem solchen Absturz Chinas profitieren zu können, bedienen sich die Hedgefonds einer Reihe von Möglichkeiten. So leihen sie sich am Aktien- oder Devisenmarkt Wertpapiere und verkaufen diese in der Hoffnung, sich später wieder billiger eindecken zu können. Auch schlagen sie bei Kreditversicherungen für Unternehmen zu, die nach China exportieren. Oder aber sie gehen die Rohstoffaktien in anderen Ländern an, die von der Nachfrage Chinas abhängig sind.
"Dies wird ein schwieriges Jahr für die Rohstoffe in den BRICs", sagt Victor Pina vom ebenfalls in London ansässigen Hedgefonds Javelin Capital mit Blick auf die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China. Er glaubt, dass sich die Konjunktur in China empfindlich abkühlt: Höchstens acht Prozent Wachstum seien jetzt noch drin. Auch eine dramatischere Entwicklung hinab auf sieben Prozent sei denkbar.
Einen Zuwachs von nur noch 8,9 Prozent hatte China im vierten Quartal 2011 erzielt. Damit verlangsamte sich das Wachstum bereits zum vierten Mal in Folge, und ein kleineres Plus hatte es zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gegeben. Von 2003 bis 2007 war die Wirtschaft des riesigen Landes dagegen regelrecht abgehoben: Jedes Jahr wurden zweistellige Wachstumsraten vermeldet.
Hedgefonds-Manager Pina jongliert nun mit Rohstoffpapieren in Hongkong, Brasilien und Russland, um sich in der Abkühlungsphase ins Warme zu retten. Zur Begründung verweist er auf den Kupfermarkt: "Zum ersten Mal seit Ewigkeiten gibt es ein Überangebot", sagt Pina. Sowohl die Lagerbestände als auch der Preis seien hoch - noch. "Entweder wird die Weltwirtschaft wachsen oder der Preis fallen." Europäische Geldmanager wie Pinas Kollege Noronha von Noster Capital verfolgen auch den Häusermarkt mit Argusaugen. "Der Immobilienmarkt ist wohl derzeit die größte Blase, die es auf der Welt gibt."
Doch nicht alle rechnen hier mit einem baldigen Kollaps. China versuche, den Boom am Laufen zu halten, sagt Patrick Armstrong von Armstrong Investment Managers. "Die haben so viele Reserven, dass sie die Infrastrukturausgaben erhöhen können." Er geht ohnehin auf Distanz zur generellen Abwärtsprognose seiner Kollegen für das Boom-Land China. "Die allgemeine Meinung ist ziemlich barsch geworden", sagt Armstrong. "Wir glauben, dass das Wachstum weitergehen könnte."
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