Schon lange waren hierzulande nicht mehr so viele Menschen erwerbstätig wie im vergangenen Monat. Allerdings warnen Ökonomen vor Euphorie: Sie revidieren ihre Vorhersagen nach unten.

Konjunkturexperten haben trotz positiver Dezember-Zahlen vor einem jähen Ende des Jobbooms in Deutschland gewarnt. "Die positiven Tendenzen dürften sich 2012 nicht mehr fortsetzen", sagte Gustav Horn, Direktor des Forschungsinstituts IMK, am Dienstag in Berlin. Er rechnet bereits zur Jahresmitte wieder mit saisonbereinigt steigenden Erwerbslosenzahlen. "Die Arbeitslosenquote dürfte erst mal nicht weiter sinken", sagte Christian Melzer, Ökonom der Dekabank. Im Dezember fiel die Rate jedoch noch einmal leicht von 6,9 auf 6,8 Prozent, wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekannt gab.
Damit könnte sich die konjunkturelle Flaute in Europa erstmals seit zwei Jahren bald deutlich am deutschen Arbeitsmarkt niederschlagen - bislang gab es fast regelmäßig Erfolgsmeldungen vom Jobmarkt. Ohnehin revidieren immer mehr Fachleute ihre Vorhersagen teils deutlich nach unten. Das IMK etwa erwartet für 2012 sogar einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion in Deutschland um 0,1 Prozent.
Noch floriert der Jobmarkt
Am Dienstag konnte Arbeitsministerin von der Leyen in Berlin noch einmal positive Nachrichten vermelden. So sank die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 22.000 auf nur noch 2,89 Millionen Menschen. In der Folge gab auch die Erwerbslosenquote leicht nach. Insgesamt seien im vergangenen Jahr durchschnittlich noch 2,97 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, so von der Leyen - weniger waren es zuletzt nach der Wiedervereinigung 1991.
Der positive Trend könnte jedoch bald unterbrochen werden, befürchten auch die Experten der
Deutschen Bank. Demnach dürfte die Arbeitslosigkeit bereits im ersten Quartal 2012 steigen. Im Jahresschnitt erwarten diese Ökonomen, dass dann 3,03 Millionen Menschen ohne Job sein werden. Damit steht das größte deutsche Geldhaus nicht alleine: Auch
Citigroup und Union Investment prognostizieren, dass 2012 wieder mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland beschäftigungslos sein werden.
Spielraum ist gering
"Das Problem ist, dass einige Instrumente nicht mehr in dem Maße zur Verfügung stehen wie vor dem Konjunktureinbruch 2009", sagte IMK-Direktor Horn. So seien etwa die Arbeitszeitkonten deutlich weniger gefüllt als vor der vorigen Krise. "Die interne Flexibilität war unheimlich wichtig für das deutsche Jobwunder", so der Ökonom.
Immerhin kündigte von der Leyen an, bei einem "massiven Einbruch" der Konjunktur auf bewährte Mittel wie die Kurzarbeit zurückgreifen zu wollen. Das habe man bereits im Kabinett diskutiert. Obwohl die Einführung der Kurzarbeit zunächst kostspielig sei, sei dies günstiger als Massenarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel, so die Ministerin.
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