Im zweiten Quartal weiteten die Chemieunternehmen ihre Produktion um 14,2 Prozent aus und erhöhten die Erzeugerpreise um 3,4 Prozent. "Ein rasantes Comeback. Wir haben die Folgen der Wirtschaftskrise jetzt nahezu überwunden", erklärte VCI-Präsident Ulrich Lehner am Donnerstag im Lagebericht für die Monate April bis Juni. Die Firmen hätten nach 15 Monaten den massiven Einbruch durch die Wirtschaftskrise inzwischen fast ausgeglichen. Die Anlagen der Chemiekonzerne liefen wieder auf vollen Touren. Die stark exportlastige Branche profitierte im abgelaufenen Quartal insbesondere von der starken Chemikaliennachfrage aus dem Ausland.
VCI-Chef Lehner rechnet nun für das Gesamtjahr mit einem Produktionsanstieg um elf Prozent und einem Zuwachs des Branchenumsatzes um 18 Prozent. Zuvor war der Verband noch von einem Produktionsplus von 8,5 Prozent und von einer Ausweitung des Umsatzes um zehn Prozent ausgegangen. Die Erzeugerpreise sollen in diesem Jahr um 2,5 (bisher: 1,5) Prozent anziehen.
Zwar habe die Geschwindigkeit des Wachstums inzwischen etwas nachgelassen, erklärte Lehner. Aber es werde weiter aufwärts gehen. Mittlerweile hat die Kapazitätsauslastung der Chemieanlagen nach VCI-Angaben mit 85,6 Prozent wieder das Normalmaß erreicht. Vor einem Jahr hatte im Zuge der Wirtschaftskrise die Auslastung noch rund zehn Prozentpunkte niedriger gelegen. Da die Branche praktisch alle Wirtschaftszweige beliefert und Nachfragerückgänge sehr früh zu spüren bekommt, traf sie die Rezession mit besonderer Härte. Umgekehrt war sie aber auch einer der ersten Industriezweige, die aus dem Tal wieder herausfanden.
Einige Sparten, wie die Grundstoffchemie, hätten die Folgen der Krise fast ganz abgehakt, erklärte der VCI. Wegen des Nachfrageschubs konnten die Hersteller von Basischemikalien höhere Rohstoffkosten an ihre Kunden weiterreichen. Nur im Pharmageschäft sei die Produktion im zweiten Quartal leicht rückläufig gewesen. Insgesamt setzte die Branche 41,6 Milliarden Euro um, ein Zuwachs von 22,7 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Der Auslandsumsatz legte sogar um 25,3 Prozent zu. Die Beschäftigtenzahl blieb seit Jahresbeginn mit rund 416.000 stabil. Nur noch 5000 Beschäftigte waren im zweiten Quartal in Kurzarbeit. Auf dem Höhepunkt der Krise waren dies zeitweise 50.000 Chemiebeschäftigte.
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