Während sich die US-Notenbank Fed seit längerem klar auf Zinssenkungskurs befindet, hält die EZB weiter still. Bei ihrer heutigen Sitzung beschlossen die Spitzen-Notenbanker der Eurozone, den Leitzins unverändert bei 4,0 Prozent zu lassen. Der Markt hatte einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Auf der Pressekonferenz betonte EZB-Chef Jean-Claude Trichet, dass Preisstabilität auf mittlere Sicht das wichtigste Ziel der Notenbank bleibe.
In den vergangenen Monaten wurde an den Märkten immer wieder spekuliert, die EZB werde über kurz oder lang der Fed folgen und die Leitzinsen ebenfalls senken. Trichet und andere EZB-Währungshüter haben diese Spekulationen wiederholt als Wunschdenken bezeichnet.
Zwar dürfte auch den europäischen Notenbankern klar sein, dass die Schwäche der US-Wirtschaft und der starke Euro keineswegs spurlos an den Volkswirtschaften der Eurozone vorübergehen werden. Aber bisher deuten die Signale noch nicht auf eine schnelle und kräftige Abkühlung der Konjunktur Eurolands hin. "Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Euros sind gesund", sagte Trichet bei der Kommentierung des heutigen Zinsentscheids.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Währungshüter: Geldmenge und Kreditvergabe steigen noch immer mit zweistelligen Raten. Trichet meinte denn auch in der Pressekonferenz, dass das Geld- und Kreditwachstum in Euroland sehr kräftig sei. Das berge mittelfristig Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität.
Tatsache ist, dass die Inflationssorgen der Notenbanker weiter zugenommen haben. Zuletzt lag der Anstieg der Verbraucherpreise bei 3,5 Prozent und damit weit oberhalb der Zielprojektion der EZB. Sie strebt einen Anstieg von maximal knapp zwei Prozent an. Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst lässt bei Trichet zudem die Alarmsirenen schrillen.
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