Konjunkturmeldungen

EZB-Zinsentscheidung Trichet treibt Euro auf Rekord

[12:05, 10.04.08]


Kurz vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank hat der Euro mit 1,5912 Dollar ein neues Rekordhoch erreicht. Denn Anleger glauben nicht an eine Zinssenkung heute Mittag.


Jean-Claude Trichet, President der Europäischen Zentralbank (EZB).

 Jean-Claude Trichet, President der Europäischen Zentralbank (EZB).

Seit Juni 2007 steht der Euro-Leitzins bei 4,0 Prozent, eine Senkung wäre angesichts schwächelnder Aktienkurse ein willkommenes Geschenk für die Börse. Doch noch rascher als die Sorgen um die Konjunktur steigen derzeit die Preise in Euroland. Hoffnungen auf niedrigere Leitzinsen sind daher auch für die EZB-Sitzung (Bekanntgabe am Donnerstag um 13.45 Uhr) verfehlt.

Denn die Inflationsrate in Euroland stieg zuletzt auf alarmierende 3,5 Prozent, das ist weit oberhalb der von der EZB offiziell geduldeten 2,0-Prozent-Marke. Bereits bei der zurückliegenden Zinsentscheidung wies EZB-Chef Jean-Claude Trichet auf die deutlich gestiegenen Inflationsrisiken hin und erteilte allen Hoffnungen auf Zinssenkungen eine Absage.

Diesmal wird es nicht viel anders sein, wenn der oberste Notenbanker nach der Bekanntgabe um 14.30 Uhr vor die Presse treten und die Entscheidung verteidigen wird. Im Gegenteil: Der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst sorgt für zusätzliche Angst vor einer gefährlichen Lohn-Preis-Spirale. Trichet wird vor diesem Hintergrund nichts anderes übrig bleiben als warnende Worte an die Märkte zu richten.

So sagt auch Gertrud Traud, Chefökonomin der Hessischen Landesbank: „Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der EZB bis zur Jahresmitte ist aufgrund der kräftigen Inflationsbeschleunigung im Euroraum praktisch auf Null gesunken.“

Doch auch die Sorgen um die Euro-Konjunktur mehren sich trotz der bis zuletzt insbesondere für Deutschland guten Indikatoren: So droht der spanische Immobilienmarkt massiv einzubrechen und auch der starke Euro dürfte früher oder später zu einer ernsten Belastung für den Export werden.

Trotzdem wird die EZB im Gegensatz zur US-Notenbank Fed auch weiterhin ihr vorrangiges Ziel in der Gewährleistung stabiler Verbraucherpreise sehen. Die US-Notenbank hat trotz hoher Inflationsraten die Leitzinsen auf zuletzt 2,25 Prozent reduziert. Bis Juni rechnen Analysten für die USA mit weiteren Senkungen auf bis zu 1,5 Prozent.

Unser Einschätzung: Die EZB wird ihren Leitsatz bei 4,0 Prozent belassen und allen Forderungen nach Zinssenkungen eine Absage erteilen. Sollte der Preisauftrieb aber im Jahresverlauf nachlassen, dann wird auch die EZB die Zinsen senken. Sollte sich die Konjunktur auch hierzulande allmählich eintrüben, erwarten wir zum Jahresende ein Zinsniveau von 3,5 Prozent.




 

© 2008 boerse-online.de, © Illustration: dpa

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