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Konjunkturmeldungen

Immobilienmarkt London erwartet nächsten Bauboom

[12:33, 10.03.10]


Immobilienentwickler planen und bauen wieder in den besten Lagen der Londoner City. Mehrere Wolkenkratzer stehen vor der Fertigstellung.


Londons Immobilienmarkt kämpft sich nach langer Flaute und scheinbar unaufhaltsamem Preisverfall aus der Krise heraus: Immobilienentwickler und Investoren bereiten sich sogar auf den nächsten Boom für hochwertige Bürogebäude in der "City" vor. Dazu zählt der kanadische Beteiligungsfonds Brookfield, der bereits am Pinnacle beteiligt ist, dem aktuell einzigen größeren Projekt, das nach 2012 fertiggestellt werden soll. Derzeit werden die Kellergeschosse des Wolkenkratzers betoniert. Der Pinnacle soll mit 288 Metern einen neuen britischen Rekord setzen, in Auftrag gegeben wurde er von Investoren aus Saudi-Arabien .

Das Gebäude wird nach seiner Fertigstellung den Rekordhalter One Canada Square im neuen Finanzbezirk Canary Wharf um 53 Meter überragen. Auch an diesem Hochhaus ist Brookfield beteiligt: Die Kanadier halten 15 Prozent an der Eigentümerin Canary Wharf Group. Wieder aufgenommen wurde die Planung für das 155 Meter hohe Hochhaus Walkie Talkie, ein Projekt, das vor zwei Jahren von Land Securities wegen der Finanzkrise zurückgezogen wurde. Auch andere Hochhäuser sind geplant.

Die Entwicklung erstaunt. Zwar erholt sich die britische Wirtschaft langsam wieder. Laut Nationwide Building Society fielen aber die Hauspreise im Februar erstmals seit zehn Monaten wieder. Andererseits steht der Stellenabbau im Finanzsektor vor dem Ende. Bis 2012 soll die Zahl der Beschäftigten in der City, Europas größtem Finanzplatz, wieder auf 325.000 nach 305.000 im vergangenen Jahr steigen, wie das Centre for Economics and Business Research berechnet hat. Die Zahl läge aber immer noch unterhalb des Rekordstands von 2007, als 354.000 Stellen in der Londoner Finanzindustrie besetzt waren.

Insider sagen, die Immobilienentwickler spekulierten auf steigende Mieten in den besten City-Lagen. Die Basis für einen erneuten Anstieg der Mieten in Richtung des Rekordstands aus dem Jahre 2007 dürfte das geringe Angebot an erstklassigen Büroflächen bilden.

Diese Überlegung werde nun auch andere Unternehmen dem Brookfield-Beispiel folgen lassen, sagte der Makler King Sturge. "Mich überrascht es nicht, dass die Unternehmen schon wieder mit Planungen beginnen", sagt Savvas Savouri vom Makler BH2. Brookfield sondiere bereits attraktive Standorte in der City, sagte James Tuckey, der das europäische Geschäft von Brookfield leitet.

Im vierten Quartal hatten Finanzdienstleister so viel Bürofläche in der City angemietet wie seit 30 Jahren nicht mehr. Sie wollten sich damit Büroraum sichern, bevor das Mietniveau wieder zu steigen beginnt. Hintergrund ist die durch den Einbruch der Bautätigkeit sinkende Zahl an Neubauten. Nach Schätzungen des Maklers Drivers Jonas werden 2011 gerade einmal 78.000 Quadratmeter an neuen Büroräumen auf den Markt kommen, die geringste Fläche seit Beginn der Aufzeichnungen.

"Wer das Geld hat und bereit ist, das Risiko einzugehen, der kann von jetzt an bis zum Jahresende 2011 mit guten Erfolgsaussichten neue Projekte beginnen", sagte Gerald Ronson von Heron International. Büroraum, der etwa 2013 neu auf den Markt kommt, müsste beste Absatzchancen haben, denn es gebe kaum weitere Neueröffnungen. Ronson selbst hat nach dieser Devise gehandelt: Er entwickelt den Heron Tower, einen Wolkenkratzer mit 46 Stockwerken an der Liverpool Street. Es ist nur eines von zwei derartigen Projekten in der City, die 2011 fertiggestellt werden sollen.

Zu den guten Absatzchancen kommen voraussichtlich sinkende Kosten. "Insgesamt sind die Baukosten in den letzten zwölf Monaten gesunken", sagte ein Heron-Sprecher. Dies erleichtere die Markttests für neue Projekte.

Auch andere Investoren interessieren sich wieder für London. Die Investmentgesellschaft Great Portland Estates hatte 2008 sämtliche Projekte wegen der Finanzkrise gestoppt, befindet sich jetzt aber wieder auf der Suche nach Bauplätzen im Finanzbezirk. 80 Prozent der Gebäude von Great Portland stehen im West End, dem Einkaufs- und Unterhaltungsviertel Londons.

"Wenn es Bauplätze zu einem angemessenen Preis gibt, dann werden wir auch in die City gehen", sagte Great-Portland-Vorstand Toby Courtauld. "Insgesamt sieht der Markt in London auf die kommenden paar Jahre ziemlich ausgetrocknet aus."

FTD, Bloomberg


 

© 2010 ftd, © Illustration: AFP, boerse-online.de

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