Die Inflation in der Eurozone ist im März stärker gestiegen als erwartet. Sie war mit 3,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat so hoch wie noch nie zuvor seit Einführung des Euros 1999. Gleichzeitig hat sich die Stimmung in der Wirtschaft Eurolands erneut verschlechtert, was auf eine Konjunkturabkühlung hindeutet.
Die Zahlen werden dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet und seinen Mitstreitern im Zentralbankrat gar nicht gefallen. Während der Markt für den März einen Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber Vorjahr von 3,3 Prozent erwartete, wurde eine Rate von 3,5 Prozent gemeldet. Im Januar und Februar lag die Teuerung noch bei jeweils 3,3 Prozent.
Einzelne Komponenten des Verbraucherpreisindex wurden noch nicht bekanntgegeben. Zahlen aus Deutschland und Belgien weisen jedoch darauf hin, dass vor allem die Energiepreise die Inflationsrate nach oben getrieben haben. Verantwortlich dafür war der Ölpreis, der kürzlich mit 111,80 Dollar je Barrel (159 Liter) ein Rekordhoch erreicht hatte.
Die EZB strebt eine Inflationsrate von unter und nahe 2,0 Prozent an. Von diesem Ziel ist die aktuelle Teuerung derzeit weit entfernt. Deshalb werden die europäischen Währungshüter nicht müde, vor zunehmenden Inflationserwartungen zu warnen.
Erschwert wird der Job von Trichet und Co. durch die sich abzeichnende Konjunkturabkühlung in Euroland. Der von der EU-Kommission erhobene Indikator für das Wirtschaftsklima bestätigt diesen Trend. Er ging im März auf 99,6 Punkte zurück, von 100,2 Zähler im Februar. Der Markt hatte mit exakt 100 Punkten gerechnet. Es war der zehnte Rückgang in Folge.
Unsere Einschätzung: Die EZB steckt weiter im Dilemma; hohe Preissteigerungsraten würden eigentlich höhere Zinsen erfordern, die sich abschwächende Konjunktur niedrigere. Weil für die EZB das Inflationsziel vor dem Wachstumsziel rangiert, ist auf kurze Sicht nicht mit sinkenden Leitzinsen zu rechnen. Gäbe es die Kreditkrise nicht, hätte Trichet die Zinsen längst angehoben. Weil er aber – wie andere auch – nicht weiß, welche Belastungen die Krise noch bringen wird, geht er vorerst den Mittelweg und lässt die Leitzinsen unverändert.
Empfehlen