Herr Apelt, der Zloty hat im vergangenen Jahr elf Prozent an Wert zum Euro verloren, obwohl Polen sich wirtschaftlich gut entwickelt. Wie kommt’s?
Christian Apelt: In der Tat steht Polen gar nicht so schlecht da, wie es die Entwicklung des Wechselkurses suggeriert. Beim Wirtschaftswachstum ist das Land einer der Spitzenreiter in Europa. Dass der Zloty besonders unter den Problemen Europas leidet, liegt vor allem daran, dass Polen ein Leistungsbilanzdefizit hat und deshalb auf ausländisches Kapital angewiesen ist. Westeuropäische Banken zogen Geld aus ihren polnischen Töchtern heraus, weil sie es zu Hause dringend brauchten. Polen leidet, wenn die Euro-Zone leidet.
Welche Rolle spielt die schwierige Lage in Ungarn?
Christian Apelt: In gewisser Weise wird Polen in Sippenhaft für die Probleme Osteuropas genommen. Diese Gruppe von Ländern gilt vielen Investoren im Zweifel immer noch als riskant, sodass sie ihr Geld von dort abziehen, wenn die Risikoscheu an den Finanzmärkten steigt. Polen leidet als größter Finanzmarkt Osteuropas besonders unter solch einer Entwicklung. Oder vereinfacht gesagt: Wenn Ungarn Probleme macht, geht man aus Polen heraus.
Der Zloty ist laut dem Big-Mac-Index deutlich unterbewertet. Sehen Sie Potenzial für eine Aufwertung in diesem Jahr?
Christian Apelt: Es ist schwer, für Währungen faire Werte zu berechnen. Aber zweifelsohne ist der Zloty derzeit zu günstig bewertet. Wir sehen den Kurs je nach der Risikoneigung der Investoren in den kommenden Monaten volatil in der Gegend von 4,50 Zloty je Euro. Zum Jahresende erwarten wir dann eine Aufwertung auf 4,20 Zloty je Euro
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