Konjunkturmeldungen

Konjunktur US-Verbrauchervertrauen bricht ein

[16:10, 16.07.10]


Nachdem bereits die Quartalszahlen der  Bank of America und der  Citigroup die Börsianer nicht überzeugten, kommt es am Nachmittag noch dicker für die Bullen. Vor allem die US-Konsumenten blicken unerwartet pessimistisch in die Zukunft.


Am Nachmittag beschleunigte sich die Talfahrt an den wichtigsten Märkten. Die US-Börsen eröffneten mit deutlichen Abschlägen und drückten auch den DAX in den Keller. Das deutsche Aktienbarometer verliert zeitweise um rund zwei Prozent und testet damit die runde Marke von 6000 Punkten. Neben den Energieversorgern werden vor allem Finanzwerte verkauft.

Einen herben Dämpfer für die Optimisten lieferten vor allem die Zahlen zum Vebrauchervertrauen. Im Juli brach die Zuversicht der US-Konsumenten in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes überraschend kräftig ein. Der entsprechende Index von Reuters und der Universität Michigan fiel nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag auf 66,5 Punkte von 76,0 Zählern im Vormonat. Volkswirte hatten im Schnitt mit 74,5 Punkten gerechnet.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Wenig Rückenwind kam auch von den bereits zuvor veröffentlichten Verbraucherpreisen. Billigere Energie sorgte im Juni den dritten Monat in Folge für einen Rückgang. Die Verbraucherpreise sanken um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Zuletzt hatte es Ende 2008 eine so lange Phase mit sinkenden Preisen gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterten die Lebenshaltungskosten um 1,1 Prozent. Das war der geringste Anstieg seit Oktober 2009. Analysten hatten mit 1,2 Prozent gerechnet. Dies deutet auf eine schleppende Nachfrage und einen gedämpften Inflationsdruck hin.

Die Preise fielen vor allem deshalb, weil sich Benzin innerhalb eines Monats um 4,5 Prozent verbilligte. Ohne die besonders stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise wären die Lebenshaltungskosten um 0,2 Prozent gestiegen.

Der geringe Preisdruck erlaubt es der Notenbank Fed, ihre Zinsen für längere Zeit nahe Null zu halten, um mit billigem Geld Konsum und Investitionen anzuschieben. Die US-Wirtschaft hatte zuletzt geschwächelt.

Bankaktien sacken nach Zahlen ab

Das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft hat den US-Großbanken  Bank of America und  Citigroup im zweiten Quartal einen Dämpfer verpasst. Beide Institute verbuchten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum empfindliche Gewinnrückgänge, wie die Banken am Freitag mitteilten. Grund ist die Verunsicherung der Investoren, etwa wegen der Schuldenkrise in der EU, die das Geschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen, Anleihen und Übernahmen bremste. Die Rückgänge im Investmentbanking warfen ihren Schatten voraus auf die für nächste Woche erwarteten Quartalszahlen von  Goldman Sachs und Morgan Stanley. An der Börse rutschten die Aktien der Großbanken nach Veröffentlichung der Zahlen ab.

Der Gewinn der  Bank of America - die größte US-Bank nach Anlagevolumen - schrumpfte auf 3,1 von 4,3 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Allerdings schnitt die Bank damit immer noch deutlich besser ab, als von Analysten erwartet. Ein Teil der Gewinne kam jedoch nicht über das Kerngeschäft, sondern durch Verkäufe von Beteiligungen zustande, die der Bank 1,1 Milliarden Dollar in die Taschen spülten.

Die drittgrößte US-Bank  Citigroup verbuchte einen Gewinnrückgang auf 2,7 von 4,3 Milliarden Dollar - vor allem durch Rückgänge im Investmentbanking, das nach den Einbrüchen in der Finanzkrise bei vielen Banken zuletzt noch für sprudelnde Gewinne gesorgt hatte. Allerdings hatte im vergangenen Jahr auch ein Sondereffekt das Ergebnis der  Citigroup aufgehübscht. Die Aktien von  Bank of America und  Citigroup fielen kurz nach Handelsbeginn 6,4 beziehungsweise 3,4 Prozent.


 

© 2010 Reuters, © Illustration: AFP, dpa

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