Für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden der
Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist die deutsche Wirtschaft im Kern gesund. Mit Blick auf Europa seien die Probleme zwar beachtlich, aber lösbar.
Josef Ackermann sieht für das erste Halbjahr 2012 "eine
leichte Rezession" in Deutschland. Danach werde sich die Konjunktur
voraussichtlich wieder beleben, sagte er am Montagabend in Berlin.
"Aufs ganze Jahr gesehen wird das Bruttoinlandsprodukt 2012 leicht
wachsen." Aus seiner Sicht wird es sich zwischen 0 und 1 Prozent
einpendeln.
Dennoch gebe es gute Gründe für Zuversicht, betonte Ackermann vor
rund 600 Gästen beim Hauptstadtempfang der Bank. "Die deutsche
Wirtschaft ist im Kern gesund, Europas Probleme sind beachtlich, aber
lösbar. Und werden sie gelöst, kann es für alle rasch und deutlich
wieder nach oben gehen."
Nachdrücklich sprach sich der Vorstandschef für eine Vertiefung
der europäischen Einheit aus. Sie sei weit mehr als der Weg zur
Lösung der Staatsschuldenkrise. "Sie ist die Schicksalsfrage dieses
Kontinents." Die Menschen müssten neu für die europäische Idee
begeistert werden. "Wir müssen klarmachen, dass nur ein integriertes,
wahrhaft vereintes Europa in der Lage sein wird, seinen Wohlstand,
seine Werte, seine Identität zu bewahren." Nur gemeinsam hätten die
Staaten genügend Gewicht gegenüber anderen großen Akteuren wie die
USA oder China.
Für den Schweizer war es der letzte Neujahrsempfang als Gastgeber
der
Deutschen Bank in Berlin. Es gebe kein anderes großes Land, das
einen Nicht-Staatsbürger so ins Vertrauen gezogen hätte, meinte der
63-Jährige. Ackermann wird im Mai seinen Posten an eine Doppelspitze
aus dem Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen
Fitschen abgeben.
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