Konjunkturmeldungen

Notenbanken Allianz fordert rasches Eingreifen

[15:47, 26.11.09]


Der Chefvolkswirt von Deutschlands größtem Versicherer warnt vor der Entstehung neuer Blasen an den Finanzmärkten und fordert entsprechende Gegenmaßnahmen der Zentralbanken.


Die Zeit sei gekommen, um den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik anzugehen, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. "Es muss jetzt darum gehen, den Expansionsgrad der Geldpolitik zurückzunehmen, um Übertreibungen an den Finanzmärkten entgegenzuwirken." Die "Schockstarre im Welthandel, die von der Lehman-Insolvenz ausgelöst wurde", sei überwunden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken hatten wegen der Finanzkrise Unmengen Geld in das Finanzsystem gepumpt. Nun aber befindet sich die Weltwirtschaft Heise zufolge in einer deutlichen Belebung, die auch 2010 anhalten wird und eine behutsame Änderung dieser expansiven Geldversorgung ermögliche. Die deutsche Wirtschaft wird den Prognosen der  Allianz zufolge 2009 um 4,6 Prozent schrumpfen, im kommenden Jahr aber um 2,8 Prozent wachsen. Damit sind die Volkswirte des Versicherungskonzerns weiterhin deutlich optimistischer als viele andere Experten. So hält die Bundesregierung derzeit lediglich ein Wachstum von 1,2 Prozent für möglich.

Heise schloss sich mit seinen Forderungen an die Geldpolitik der Einschätzung einiger Notenbanker an, die ebenfalls davor warnen, die Wirtschaft zu lange mit billigem Geld zu versorgen; nicht zuletzt, weil in einige Anlageformen wieder viel Geld investiert wird. Auch in den Aktienmarkt: Der DAX hat seit seinem Jahrestief Anfang März rund 60 Prozent zugelegt. Der Entwicklung der Aktienmärkte steht der Volkswirt skeptisch gegenüber. Mittelfristig seien die Aussichten nicht sehr rosig, sagte Heise. "Die Bereitschaft, jetzt Aktien aufzustocken, ist gering."

Michael Heise, Allianz

 Michael Heise, Allianz

Die US-Notenbank hat Heise zufolge bei Maßnahmen der Geldpolitik eine Vorreiterrolle - der sie allerdings nicht gleich nachkommen werde. Es sei zu befürchten, dass die Federal Reserve nur zögerlich Signale geben werde, ihre expansive Politik zurückzufahren. Doch im Laufe der kommenden Monate dürften auch die US-Notenbanker ihre Haltung ändern. 2010 sei mit zwei Zinsschritten zu rechnen, sagte Heise. In Europa dürften seiner Einschätzung nach drei kleine Zinsanhebungen erfolgen, die das Leitzinsniveau bis Ende 2010 auf 1,75 Prozent steigen lassen dürften. Schon bei dem bevorstehenden EZB-Jahrestender im Dezember sollte die EZB Heise zufolge den zu zahlenden Festzins auf 1,5 Prozent anheben, um damit Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Die meisten Experten halten dies jedoch für unwahrscheinlich, da die Notenbanker damit Zinserhöhungen auf Jahressicht signalisieren würden.

Heise hält dagegen: Für derartige geldpolitische Maßnahmen sei es nicht zu früh. Es dauere relativ lange, bis diese wirkten und sie würden 2010 kaum die Konjunktur bremsen. Wichtig sei dabei allerdings, dass die wichtigen Notenbanken koordiniert vorgehen, um Spannungen im Gefüge der Wechselkurse zu vermeiden. Schon jetzt sorgt der im Vergleich zur Euro-Zone noch niedrigere Leitzins in den USA für Druck auf den Dollar. Dies treibt wiederum den Euro nach oben und schadet so dem Export aus der Währungsunion.


 

© 2009 Reuters, © Illustration: ddp, Foto: Marc Darchinger

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