René Hermann, Chefanalyst der Schweizer
Ratingagentur Independent Credit View, sieht im Zuge der Euro-Rettung schwere
Belastungen auf Deutschland zukommen. Hermann sagte im Interview mit dem
Anlegermagazin ,Börse Online’ (Ausgabe 50/2011, EVT 8. Dezember): „Wenn die
Garantieverpflichtungen des Euro-Rettungsschirms in voller Höhe fällig würden, stiege
der deutsche Schuldenstand drastisch an.“ Gemessen an der Wirtschaftsleistung würde
die Schuldenlast auf mehr als 90 Prozent klettern, so der Ratingexperte. Die Folgen für
Deutschland wären seiner Einschätzung nach dramatisch: Das Land würde dann seine
Topnote „AAA“ bei den großen Ratingagenturen wie Moody’s und Standard & Poor’s
(S&P) riskieren. S&P hatte unlängst einen negativen Ausblick für Bundesanleihen
vergeben, es könnte darum zu einer Herabstufung kommen. Auch für sein Haus kann
sich Hermann ein solches Vorgehen vorstellen: „In Europa verdienen unserer Meinung
nach derzeit nur Bundesanleihen die Bestnote. 2012 ist aber eine Herabstufung
unsererseits möglich, sollten die Lasten aus der Euro-Rettung überhand nehmen.“
Der Chefanalyst zeigte sich zudem überzeugt davon, dass außer Griechenland auch
andere Euro-Staaten Umschuldungen vornehmen müssten: „Auch mit Blick auf Portugal
halten wir einen Schuldenschnitt für unumgänglich, Spanien ist ebenfalls ein absoluter
Wackelkandidat.“ Laut Berechnungen von Independent Credit View müsste
beispielsweise Spanien ein Budgetplus von mehr als fünf Prozent pro Jahr erzielen, um
bis zum Jahr 2025 zumindest das Schuldenniveau vor der Krise wieder zu erreichen.
Griechenland würde fast sieben Prozent pro Jahr benötigen, Italien fast drei Prozent.
Dies seien ernüchternde Zahlen, sagte Hermann. Das Schuldenthema werde Europa
noch mindestens zehn Jahre beschäftigen.
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