Das ZEW-Barometer kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben. Damit erreichte der Indikator den höchsten Wert seit Juli 2011, liegt aber immer noch unter dem historischen Mittelwert von plus 24,5 Punkten. Dies deute darauf hin, "dass Deutschland in den nächsten sechs Monaten kein weiterer konjunktureller Abstieg, sondern eine Stabilisierung der Konjunktur auf dem derzeitigen Niveau bevorsteht". Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg auf minus 50 Punkte vorhergesagt.
"Die Einschätzung der Finanzmarktexperten gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass es sich entgegen wiederholt vorgebrachten Warnungen vor einer Rezession lediglich um eine Konjunkturdelle handelt", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der Umfrage unter rund 300 Finanzmarktexperten. Er führt das auf die Geldspritze der Europäischen Zentralbank zurück, die die Banken mit fast 500 Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen versorgt hat. Auch gelungene Anleiheauktionen der Sorgenländer Italien und Spanien hätten die Stimmung verbessert. "Dessen ungeachtet stellt die Entwicklung der Schuldenkrise nach wie vor ein Risiko dar", warnte Franz. Diese Experten schätzten auch die aktuelle Lage etwas besser ein als zuletzt: Dieser Indikator stieg um 1,6 auf 28,4 Punkte.
Viele Ökonomen sagen der exportabhängigen deutschen Wirtschaft wegen der Schuldenkrise in Europa und der weltweiten Konjunkturflaute eine schwieriges ersten Halbjahr voraus. Die
Deutsche Bank rechnet mit einer Rezession. Bereits Ende 2011 war das Bruttoinlandsprodukt ersten Schätzungen zufolge um etwa 0,25 Prozent gesunken - zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009.
Analysten äußerten sich daher auch recht optimistisch:
"Die Sorge an den Finanzmärkten lässt nach den erfolgreichen Anleiheauktionen in Spanien und Italien nach. Das spricht für eine Entlastung an der Schuldenfront. Immer mehr Experten gehen von einer weichen Landung der deutschen Wirtschaft aus. Ihre Schwächephase dürfte nur kurz sein. Wenn nächste Woche auch die Ifo-Geschäftserwartungen den dritten Monat in Folge steigen, dann dürfte die Talsohle bereits durchschritten sein. Spätestens ab Sommer dürfte es dann wieder aufwärts gehen."
"Der Supertender der EZB hat nicht nur bei den Banken und am Markt für Staatsanleihen Wirkung gezeigt, sondern auch bei der Stimmung der Finanzmarktanalysten. Die Konjunkturerwartungen haben einen Rekordsprung nach oben gemacht. Hilfreich waren auch überraschend positive Konjunkturindikatoren von der Weltwirtschaft.
Aus den ZEW-Konjunkturerwartungen lässt sich zwar kein Rückschluss auf die Stärke des Wachstums ziehen, doch sie sind in der Regel ein guter Hinweis auf konjunkturelle Wendepunkte. Demnach wäre mit einer gewissen Verzögerung ein Ende der konjunkturellen Schwächephase in Deutschland zu erwarten - vorausgesetzt, die Schuldenkrise spielt mit."
Empfehlen