"Bei institutionellen Investoren stehen seit Oktober vergangenen Jahres vor allem Energierohstoffe und Edelmetalle hoch im Kurs", sagte Michael Geister, Head of German Sales ETF Securities Ltd. Insbesondere bei Gold seien die Aussichten weiter positiv, waren sich die Experten einig. Unter Berücksichtigung der Inflation müsste der Goldpreis heute eigentlich bei 1.400 Dollar liegen, merkte Jochen Hitzfeld von der HVB/Unicredit an.
Heiko Seibel, Vorstand der CM-Equity AG, vermutet, dass die Nachfrage der Investoren weiterhin die Goldnotierungen treiben werde. "Niemand weiß, wie das Experiment der Notenbank mit ihrer extrem expansiven Geldpolitik ausgehen wird", meinte er. Die Zeiten würden unruhig bleiben. Aber egal, was komme, mit Gold sei man auf der sicheren Seite, argumentieren viele Goldkäufer.
Hitzfeld wies darauf hin, dass die Goldproduktion seit 2001 sinkt. Das werde auch weiter anhalten, gab er sich überzeugt. Einerseits fürchten die Goldminengesellschaften, dass sie Opfer des derzeitigen Superhype werden und plötzlich mit Überkapazitäten dastehen, wenn sie in neue Vorkommen investierten. Zweitens seien die Notenbanken die wichtigsten Akteure am Goldmarkt. Diese sind aber unberechenbar, man wisse nicht, ob und wie viel Gold sie verkaufen. Zuletzt haben sie jedenfalls ihre Verkaufskontingente nicht ausgeschöpft. Deshalb würden sich die Bergbaugesellschaften mit Investitionen zurückhalten. „Sie investieren lieber in Kupfer und andere Metalle“, sagt Hitzfeld.
Johann Fürstenberger, Head of Derivate / Quantitative Portfolio Management MEAG, ist zudem sicher, dass Gold als Währungsreserve an Bedeutung gewinnt. "Man hört am Markt, dass Zentralbanken mit hohen Devisenreserven wie die chinesische immer wieder Gold und andere Edelmetalle kaufen."
Bei Silber sieht Hitzfeld kein besonderes Aufwärtspotenzial, es sei ohnehin zur Hälfte ein Industriemetall. Geister meint, es laufe mit Gold mit, aber unter stärkeren Schwankungen, weil der Markt enger ist.
Bei Energierohstoffen setze der Markt derzeit ganz überwiegend auf steigende Preise. Das zeigen die Futures, die eine Contango-Struktur aufwiesen. Zudem gebe es kaum noch Marktteilnehmer, die eine Short-Position eingingen. Das sei insofern überraschend, als die Konjunkturschwäche auf eine gedämpfte Nachfrage hindeute. Offenbar spielt die Angebotsseite momentan die wichtigere Rolle.
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