Die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt bleibt düster. Im September gingen deutlich mehr Stellen verloren als erwartet. Die Arbeitslosenquote ist auf dem höchsten Stand seit 26 Jahren. Die Börsen, Gold und Öl brechen ein.
Enttäuschende Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben am Freitag an den Kapitalmärkten für großen Aufruhr gesorgt: Nachdem das Arbeitsministerium einen Abbau von 263.000 Stellen im September vermeldet hatte, notierte der Dax mit 1,7 Prozent und der Dow Jones mit knapp 0,7 Prozent im Minus.
Der Ölpreis fiel in New York um 2 $ auf 68,87 $, der Gold-Future zur Lieferung im Dezember um 6 $ auf 993,90 $. Staatsanleihen legten zu, die Rendite auf US-Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren ging um vier Basispunkte auf 3,141 Prozent zurück. Renditen und Kurse bewegen sich bei Staatsanleihen gegenläufig. Der Dollar legte zu.
Schwache Verfassung
Der Stellenabbau von 263.000 Jobs fiel höher aus als erwartet. Die Konsensprognose hatte bei einem Minus von 175.000 gelegen. Die Arbeitslosenquote kletterte von 9,7 auf 9,8 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 1983. Zudem sank die Zahl der durchschnittliche Wochenstunden leicht auf 33. "Insgesamt befindet sich der Arbeitsmarkt weiter in einer recht schwache Verfassung. Ein Beschäftigungsaufbau bleibt eine relativ ferne Perspektive", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Seit Dezember 2007 befinden sich die USA in der Rezession. In der jüngsten Zeit häuften sich jedoch die guten Nachrichten. So zogen die Stimmungsindikatoren an, die Hauspreise stabilisieren sich. Der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe hielt sich im September beispielsweise mit 52,6 Zählern über der kritischen Marke von 50 Punkten. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,7 Prozent geschrumpft war, wird für das dritte Quartal mit einem Plus gerechnet.
Entlassungen auf kommunaler Ebene
Größtes Hindernis für eine rasche Erholung ist und bleibt aber der Arbeitsmarkt. Vergangene Woche kletterten die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 551.000. Der Trend wird durch den September-Bericht bestätigt. In der weitesten Abgrenzung liegt die Arbeitslosenquote sogar bei 17 Prozent. Nicht nur der Privatsektor baut Stellen ab, auch der Staat trennt sich von Mitarbeitern, insbesonders die Städte und Gemeinden.
"Der aktuelle Jobbericht ist nach zwei Monaten der Verbesserung wieder düster. Mit 263.000 Stellen wurden so viele Jobs abgebaut wie seit Juli nicht mehr", sagte ING-Volkswirt Rob Carnell. Budgetprobleme der Bundesstaaten - Kalifornien kämpft gerade gegen eine Haushaltskrise - würden sich zum ersten Mal deutlich bemerkbar machen. 53.000 Stellen in Städten und Gemeinden gingen verloren. Auch der Einzelhandel baute ab. "Nächsten Monat werden wir höchstwahrscheinlich eine Arbeitslosenquote von zehn Prozent sehen", schrieb Carnell in einem Researchbericht.
David Rosenberg, Chefvolkswirt beim kanadischen Vermögensverwalter Gluskin Sheff, spricht von übertriebenen konjunkturellen Erwartungen der Börsianer. Er verweist auf eine Umfrage unter Finanzchefs, die der USA auf einer Skala von 1 bis 100 nur 54,2 Zähler gegeben hätten. "Damit wird man versetzt, mehr aber auch nicht", schrieb Rosenberg in seinem Researchbericht. "Das passt nicht ganz zu den hohen Bewertungen an den Aktienmärkten. Es gibt einfach zu viel Luft und Rauch."
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hob seine Prognosen dennoch an. In seinem am Donnerstag vorgestellten Weltwirtschaftsbericht erwartet die Orgnisation für die USA nun ein Minus von 2,7 Prozent in diesem Jahr und für 2010 ein Plus von 1,5 Prozent. Auch für andere Regionen der Welt ist er optimistischer: Nach einem Minus von 4,2 Prozent 2009 prognostiziert er für die Euro-Zone ein Wachstum von 0,3 Prozent im kommenden Jahr.
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