Konjunkturmeldungen

Sorgen vor Rezession Schuldenkrise bremst boomende Wirtschaft aus

[12:36, 11.01.12]

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Die heimische Konjunktur hat ein starkes Jahr hinter sich - doch der Jubel fällt aus. Im letzten Quartal 2011 schrumpft die Wirtschaftsleistung. Es verdichten sich Anzeichen für eine Rezession.


Ein insgesamt starkes Jahr endet für die deutsche Wirtschaft mit einem schwachen Abschlussquartal. Erstmals seit der Finanzkrise schrumpfte die Wirtschaftsleistung nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes von Oktober bis Dezember wieder. Das Minus von 0,25 Prozent trübt das starke Wachstum von drei Prozent im Gesamtjahr 2011.

Experten sehen die Bundesrepublik vor einer Durststrecke, deren Länge schwer abzuschätzen ist. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte, obwohl die milde Witterung sonst übliche jahreszeitlich bedingte Effekte dämpft. Optimisten hatten zuletzt angesichts der wieder besseren Stimmung gehofft, dass Deutschland bereits das Schlimmste überstanden hat.

Das Minus im Schlussquartal scheint eher den Skeptikern Recht zu geben. Einige Ökonomen sagen eine Rezession für Deutschland und die Euro-Zone voraus. "Die von der ungelösten Staatsschuldenkrise ausgehende Unsicherheit dürfte zu einem weiteren Minusquartal führen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die  Deutsche Bank rechnet sogar damit, dass es erst in der zweiten Jahreshälfte wieder bergauf geht.

Die Ökonomen sind sich aber nicht sicher, wie stark die Schuldenkrise die Wirtschaft belasten wird. Keiner habe schon einmal eine Staatsschuldenkrise erlebt, sagte Krämer. "Deshalb wissen wir nicht genau, wie stark sie die Konjunktur dämpfen wird und wie lange. Da haben wir keine historischen Erfahrungen." Deshalb seien alle Konjunkturprognosen noch unsicherer als üblich.

Wegen der Schuldenkrise haben viele Euro-Länder ihre Steuern erhöht, Löhne und Renten gekürzt sowie Investitionen gestrichen. "Mit den Sparorgien in Europa machen wir unseren eigenen Markt kaputt", sagte der Chefvolkswirt der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), Heiner Flassbeck. "Wir werden einen irren Einbruch erleben, wenn man das alles durchzieht."

Die Währungsunion ist der wichtigste Absatzmarkt für die exportabhängige deutsche Industrie. Auch die nachlassende Weltkonjunktur dürfte ihr zu schaffen machen. Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft 2012 nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent zu, die  Deutsche Bank sagt sogar eine Stagnation voraus.


 

© 2012 ftd.de

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