Wenn schon die Bevölkerung nicht mehr wächst,
dann doch wenigstens die Wirtschaft. Seit vielen
Jahren machen sich die Deutschen Sorgen über die
schrumpfende und immer älter werdende Bevölkerung.
Und immer wieder war es das Wirtschaftswachstum,
das die Krisen bei Renten- und Gesundheitsversicherung
entspannt hat. Die Deutschen
werden zwar immer weniger, aber ihre Maschinen
immer besser, und diejenigen, die sie bedienen immer
produktiver. Sollte das Wirtschaftswachstum
nun aber der Vergangenheit angehören, ließe sich
das Rentensystem in seiner derzeitigen Form kaum
aufrechterhalten.
Klar ist, dass die Berufstätigen in Deutschland
immer mehr nicht aktive Menschen mitversorgen
müssen. Sind es derzeit rund drei Berufstätige, die
einen Rentner versorgen müssen, werden es im Jahr
2050 rund zwei sein. Gegen Ende des Jahrhunderts
dürfte sich dieser „Altenquotient“ nach Berechnungen
des Demografen Herwig Birg langsam eins nähern.
Das hat unterschiedliche Folgen. „Bei schrumpfender
Bevölkerung würden selbst bei Nullwachstum
die Lebensstandards etwas wachsen – so gesehen
brauchen wir bei schrumpfender Bevölkerung
auch weniger Wachstum“, sagt Lutz Arnold, Professor
für Wirtschaftstheorie an der Uni Regensburg.
Doch ganz ohne ginge es auch nicht: „Was wir sicher
brauchen, ist positives Produktivitätswachstum –
sonst können die sozialen Sicherungssysteme mit
ihren lohnbezogenen Beiträgen in ihrer jetzigen
Form nicht überleben.“
Angelika Zahrnt, Mitglied im Rat für nachhaltige
Entwicklung und Autorin des Buches „Postwachstumsgesellschaft“,
formuliert es noch drastischer:
„Unsere gesellschaftlichen Systeme unterliegen einem
eingebauten Zwang zum Wirtschaftswachstum,
sie sind auf ständig steigende Einnahmen angewiesen.
Das ist ein grundlegender Konstruktionsfehler
und einer der Gründe, warum die Politik so
auf Wachstum fixiert ist.“
Doch gibt es diesen Zwang wirklich? Bislang war
es immer so, dass die berufstätigen Deutschen im
Schnitt immer produktiver wurden, daher konnten
sie die demografisch bedingte wachsende Last in
den Sozialsystemen schultern. Wenn es aber kein
wirtschaftliches Wachstum mehr gibt, würden auch
die Einkommen nicht mehr steigen – was im
Grunde bereits in den vergangenen 15 Jahren der
Fall war. Wenn dann von diesen Einkommen immer
mehr Rentner bezahlt werden müssen, kollabiert
das soziale System.
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