Konjunkturmeldungen

Sozialsystem Land der Schrümpfe

[15:19, 30.12.11]

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In einer alternden Gesellschaft sind die Sozialversicherungen in die Krise geraten – ohne Wirtschaftswachstum würde sich ihre Lage dramatisch verschlechtern.


Senioren beim Spaziergang

 Senioren beim Spaziergang

Wenn schon die Bevölkerung nicht mehr wächst, dann doch wenigstens die Wirtschaft. Seit vielen Jahren machen sich die Deutschen Sorgen über die schrumpfende und immer älter werdende Bevölkerung. Und immer wieder war es das Wirtschaftswachstum, das die Krisen bei Renten- und Gesundheitsversicherung entspannt hat. Die Deutschen werden zwar immer weniger, aber ihre Maschinen immer besser, und diejenigen, die sie bedienen immer produktiver. Sollte das Wirtschaftswachstum nun aber der Vergangenheit angehören, ließe sich das Rentensystem in seiner derzeitigen Form kaum aufrechterhalten.

Klar ist, dass die Berufstätigen in Deutschland immer mehr nicht aktive Menschen mitversorgen müssen. Sind es derzeit rund drei Berufstätige, die einen Rentner versorgen müssen, werden es im Jahr 2050 rund zwei sein. Gegen Ende des Jahrhunderts dürfte sich dieser „Altenquotient“ nach Berechnungen des Demografen Herwig Birg langsam eins nähern.

Das hat unterschiedliche Folgen. „Bei schrumpfender Bevölkerung würden selbst bei Nullwachstum die Lebensstandards etwas wachsen – so gesehen brauchen wir bei schrumpfender Bevölkerung auch weniger Wachstum“, sagt Lutz Arnold, Professor für Wirtschaftstheorie an der Uni Regensburg. Doch ganz ohne ginge es auch nicht: „Was wir sicher brauchen, ist positives Produktivitätswachstum – sonst können die sozialen Sicherungssysteme mit ihren lohnbezogenen Beiträgen in ihrer jetzigen Form nicht überleben.“

Angelika Zahrnt, Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung und Autorin des Buches „Postwachstumsgesellschaft“, formuliert es noch drastischer: „Unsere gesellschaftlichen Systeme unterliegen einem eingebauten Zwang zum Wirtschaftswachstum, sie sind auf ständig steigende Einnahmen angewiesen. Das ist ein grundlegender Konstruktionsfehler und einer der Gründe, warum die Politik so auf Wachstum fixiert ist.“

Doch gibt es diesen Zwang wirklich? Bislang war es immer so, dass die berufstätigen Deutschen im Schnitt immer produktiver wurden, daher konnten sie die demografisch bedingte wachsende Last in den Sozialsystemen schultern. Wenn es aber kein wirtschaftliches Wachstum mehr gibt, würden auch die Einkommen nicht mehr steigen – was im Grunde bereits in den vergangenen 15 Jahren der Fall war. Wenn dann von diesen Einkommen immer mehr Rentner bezahlt werden müssen, kollabiert das soziale System.

In diesem Artikel
  1. Land der Schrümpfe
  2. Teil 2: Das Rentensystem steht zur Debatte

 

© 2011 ftd, © Illustration: ddp

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