Konjunkturmeldungen

US-Konjunkturdaten Zahlen sorgen für Bewegung

[15:00, 03.09.10]


Im August stellten private Unternehmen mehr Menschen ein als erwartet. An den Märkten sorgt das für Kurssprünge. Unterdessen gab der ISM-Index der Dienstleistungssparte stärker nach als erwartet.


Der private Sektor in den USA hat im August 67.000 Stellen geschaffen und damit deutlich mehr als erwartet. Der Zuwachs für den Vormonat wurde deutlich auf 107.000 nach oben korrigiert. Insgesamt hat die US-Wirtschaft im August 54.000 Jobs verloren. Das ist zwar das dritte Minus in Folge, aber ebenfalls besser als befürchtet.

Hintergrund ist, dass die US-Regierung 114.000 Menschen entließ, die sie für die Volkszählung Anfang des Jahres auf befristeter Basis eingestellt hatte. Der Abbau der vergangenen beiden Monate wurde nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich leicht auf 9,6 Prozent, was darauf hindeutet, dass wieder mehr Menschen einen Job suchen.

In einer ersten Reaktion schnellte der DAX deutlich ins Plus auf bis zu 6167 Punkte, ein Zugewinn von 1,4 Prozent. Später jedoch schrumpfte der Zuwachs auf plus 0,8 Prozent. Der Leitindex lag damit bei 6135 Punkten. Auch der Dow Jones schoss zu Handelsbeginn zunächst um bis zu 1,3 Prozent in die Höhe auf 10.451 Punkte.

Grund für das Abbröckeln der Gewinne war die Veröffentlichung des ISM-Service-Index. Am Spätnachmittag fiel der amerikanische Leitindex auf 10.373 - das Plus schrumpfte damit auf 0,5 Prozent zusammen. Der Index des Institute for Supply Management bildet das Wachstum der US-Dienstleister ab. Er verlor im August an Tempo und fiel von 54,3 Zählern im Juli auf 51,5, teilte das Institut am Freitag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf 53,5 Punkte gerechnet. Das an den Finanzmärkten viel beachtete Barometer hielt sich aber über der Marke von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird. Allerdings sank die Beschäftigungskomponente unter die Expansionsschwelle - "was die positive Überraschung beim heutigen Arbeitsmarkt nicht unterstreichen kann", kommentierte Heleba-Analystin Viola Stork.

Die Sorgen um ein Zurückrutschen der USA in die Rezession belasten die Märkte seit Wochen. Die Notenbank Fed hat wieder damit begonnen, über Käufe von US-Staatsanleihen Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Vergangene Woche wurde das Plus der Wirtschaftsleistung für das zweite Quartal deutlich von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 1,6 Prozent nach unten revidiert. Bereits in den vergangenen Tagen waren einige Konjunkturdaten, etwa zum Konsum und zum Häusermarkt, dann allerdings besser ausgefallen als erwartet.

Rund 8,5 Millionen Jobs sind in den USA in der jüngsten Rezession verloren gegangen. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit sorgt dafür, dass die Misere am Häusermarkt anhält und drückt den Konsum, der rund zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmacht.

Experten blieben skeptisch. "Private Unternehmen müssen wirklich zulegen und beginnen, aggressiver Mitarbeiter einzustellen, damit diese Erholung an Schwung gewinnt", sagte Ryan Sweet, Ökonom bei Moody's Economy.com der Nachrichtenagentur Reuters. Fabian Eliasson von Mizuho in New York sagte: "So, wie der Handel nach schlechten US-Daten übertrieben war, so ist die Stimmung nach den positiven Berichten dieser Woche ebenfalls überzogen. Ich denke, wir sehen immer noch eine ziemlich langsame und schmerzhafte Erholung. Es gibt viele Arbeitslose, das wird ein langer Weg, bis wir den Normalzustand wieder erreichen."


 

© 2010 ftd, © Illustration: reuters

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