Konjunkturmeldungen

Zurück zum Rekordtief EZB senkt Leitzins auf 1,0 Prozent

[15:05, 08.12.11]


Die Frankfurter Währungshüter schwemmen den Markt mit Geld. Sie wollen die drohende Rezession lindern. Der Euro macht seine Verluste wieder wett.


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Die Europäische Zentralbank (EZB) forciert ihren Kampf gegen die Krise: Der EZB-Rat drückte am Donnerstag den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Es ist die zweite Zinssenkung, seit vor einem Monat der neue EZB-Präsident Mario Draghi sein Amt antrat. Die unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet im April und Juli beschlossenen Zinserhöhungen sind damit wieder ausgeglichen. Nach nur acht Monaten Pause steht der Leitzins wieder auf dem Rekordtief, das im Kampf gegen die Rezession im Jahr 2009 eingeführt wurde.

EZB-Präsident Draghi hatte bereits im November gesagt, er befürchte einen neuerlichen Konjunktureinbruch. Zu erwarten sei, dass "das langsame Wachstum zum Jahresende in eine milde Rezession übergeht".

Die Zinssenkung soll verhindern, dass es noch schlimmer kommt. Denn sie verringert die Kosten der Kreditvergabe: Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen. Eine Senkung geben sie mit Verzögerung in der Regel an ihre eigenen Kunden weiter, indem sie die Zinsen für Kredite an Verbraucher und Unternehmen herabsetzen. Außerdem verschaffen günstige EZB-Darlehen den Geschäftsbanken mehr Spielraum für Investitionen an den Kapitalmärkten.

EZB hält Inflationsrisiko für beherrschbar

Die Vermehrung der Geldmenge birgt allerdings die Gefahr, dass die Inflationsrate weiter steigen könnte. Im November lag sie in den 17 Staaten der Euro-Zone laut einer ersten Schätzung bei drei Prozent. Die EZB erwartet angesichts der Abkühlung der Konjunktur aber, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr wieder unter zwei Prozent fällt.

Mit der Rückkehr zum Krisenzins beendet die EZB einen Alleingang: Unter den großen westlichen Notenbanken war sie die einzige, die im Frühjahr mit Zinserhöhungen begann. Die Bank of England bestätigte am Donnerstag ihren Leitzins von 0,5 Prozent, der seit Frühjahr 2009 gilt. In den USA liegt der Satz schon seit Herbst 2008 zwischen 0 und 0,25 Prozent.

Zugleich greift die EZB den wegen der Schuldenkrise unter Druck stehenden Banken der Währungsunion mit neuen Hilfen unter die Arme. Sie können sich bis zu einer Laufzeit von drei Jahren Geld in unbegrenzter Höhe von der EZB leihen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Dabei soll es einen festen Zinssatz geben, der sich am Leitzins der Zentralbank orientiert, der auf 1,0 Prozent gesenkt wurde. "Das soll die Funktionsfähigkeit des Geldmarktes erhalten", sagte Draghi. Geplant sind zwei Versteigerungen. Der Kredit kann bereits nach einem Jahr zurückgezahlt werden. Bislang stellt die EZB für maximal ein Jahr Liquidität zur Verfügung.

Die Banken müssen zudem weniger Geld als Sicherheit bei der EZB hinterlegen, wodurch mehr Kredite ausgereicht werden können. Die sogenannte Mindestreserveanforderung werde auf ein Prozent halbiert, sagte Draghi. Außerdem werden von Banken künftig geringere Sicherheiten als Gegenleistung für Zentralbankgeld verlangt.

Grund für das Eingreifen der EZB ist das Misstrauen der Banken untereinander. Sie leihen sich in normalen Zeiten genügend Geld gegenseitig auf dem sogenannten Interbankenmarkt. Diese Quelle ist aber nahezu versiegt, weil die Institute wegen der Schuldenkrise ihr Geld lieber horten, anstatt der Konkurrenz zu leihen. Sie fürchten, im Falle einer Pleite auf ihren Forderungen sitzenzubleiben. Weil auch US-Geldmarktfonds den europäischen Banken wegen der Schuldenkrise kaum noch Geld leihen, stellen die großen Notenbanken bis 2013 Dollar-Liquidität in unbegrenzter Höhe zur Verfügung und senkten zudem die Kosten für die Kreditgeschäfte.


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© 2011 Reuters, © Illustration: ddp

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