Nach dem Lehman-Kollaps stand die Globalisierung des Finanzmarkts in Frage: Banken konzentrierten sich auf ihren Heimmarkt und geizten mit grenzüberschreitenden Darlehen. Das ändert sich: Gerade in Schwellenländern trauen sich die Institute wieder.
Die Banken vergeben erstmals seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank
Lehman Brothers wieder mehr Kredite ins Ausland. Im ersten Quartal kletterte die Darlehensvergabe um 2,1 Prozent oder 700 Mrd. Dollar auf 33.400 Mrd. Dollar. Das geht aus einem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor. Die BIZ ist das Spitzeninstitut der Notenbanken und hat ihren Sitz im schweizerischen Basel.
Die Zahlen dürften für Anleger, aber auch für Unternehmen und Haushalte eine Erleichterung sein. Denn nach dem Lehman-Kollaps zogen sich Banken auf ihre jeweiligen Heimmärkte zurück, einige Beobachter sprachen sogar von einem Zurückdrehen der Globalisierung in der Finanzwelt und warnten vor einem um sich greifenden Protektionismus.
"Die Bilanzreparaturen des globalen Finanzsystems setzt sich geschwind fort", sagte Huw van Steenis, Bankenanalyst bei Morgan Stanley. "Das beherrschende Thema in der ersten Jahreshälfte war die Ausweitung der Kreditvergabe in Nordeuropa und den Vereinigten Staaten", sagte Steenis: "Das Bankensystem bewegt sich von Krise, zur Sanierung bis zur Erholung. Es versucht, das zu erfüllen, was es eigentlich tun soll: Nämlich an Unternehmen und Privatpersonen Geld zu verleihen."
Die BIZ verzeichnete den ersten Anstieg der grenzüberschreitenden Darlehensvergabe seit dem dritten Quartal 2008. Hauptverantwortlich für das Plus sind Schwellenländer. Sie zogen 113 Mrd. Dollar an. Das sind mehr als in den vorangegangenen drei Quartalen zusammen. Besonders stark erhöhten die Banken ihr Engagement in China. Die Volksrepublik nahm 42 Mrd. Dollar auf. Das entspricht einer Steigerung um ein Viertel gegenüber dem Vorquartal. Auch in Indien, Taiwan und Indonesien vergaben die Finanzinstitute deutlich mehr Kredite.
Gegenüber den Schwellenländern fällt die Kreditvergabe in den Industriestaaten ab. In der Euro-Zone und in Osteuropa schränkten sich die Finanzinstitute ein. Das dürfte aber nicht nur dem Angebot der Banken, sondern auch einer schwächeren Nachfrage geschuldet sein. Die BIZ geht davon aus, dass Privathaushalte und Unternehmen ihre Verschuldung weiter zurückfahren werden. "Wenn wir uns an der Geschichte orientieren, dann dürfte die Verschuldung des Privatsektors noch deutlich sinken. Gerade die Haushalte dürften noch aktiv werden", schreibt die BIZ in ihrem Bericht.
Die Zentralbank der Zentralbank begründet das mit einer Analyse von 20 systemischen Bankenkrisen in der Vergangenheit. Bei 17 von ihnen sank die Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt erheblich. Ein wichtiger Treiber seien die Hauspreise: "Weil die Immobilienpreise gefallen sind, dürften viele Haushalte bestrebt sein, ihre Verbindlichkeiten zu reduzieren", schreibt die BIZ. "Eine geringere Produktion und schwierigere Refinanzierungsbedingungen dürften ebenfalls die Unternehmen dazu bewegen, ihren Leverage zu reduzieren." Als Leverage wird die Verschuldung bezeichnet.
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