Vorbei die Zeit, in der Afrika nur zwischen Entwicklungshilfe und Chinas strategischen Investitionen wählen konnte. Die neuen Geldgeber sind Konzerne aus Indien und Brasilien – und angetreten, um satte Gewinne zu machen.
Bisher war Indien das Land, in das viele westliche Firmen ihre Dienstleistungen auslagerten. Weil der indische Markt aber mittlerweile stark umkämpft ist, müssen die Dienstleister des Subkontinents neue Wege gehen, um niedrige Preise zu bieten. Der Konzern Spanco aus Mumbai hat sich dafür entschieden, selber outzusourcen – nach Afrika.
Im Mai verkündeten die Inder, dass sie Dienstleitungszentren nach Kenia, Burkina Faso, in den Tschad, Niger, nach Nigeria und Tansania verlagern wollen. Für Afrika sprechen nicht nur die niedrigen Kosten, sondern auch die geringe Zeitdifferenz zu den Kunden in Europa und den USA. In zwei Jahren will Spanco die Hälfte seines Gewinns in Afrika erwirtschaften. Dann sollen dort 50 000 Menschen für den Konzern arbeiten – heute sind es 3000.
Längst beschränken sich Investitionen in Afrika nicht mehr auf Entwicklungshilfe aus den Industrieländern. Doch auch die Ära, in der China als die einzige Alternative erschien, ist passé. „Afrika ist im Aufbruch in eine neue Phase“, sagt Thandika Mkandawire, Professor für afrikanische Entwicklung an der London School of Economics. Zwar bleibt China ein dominanter Vorreiter bei ausländischen Direktinvestitionen in Afrika, doch andere Investoren ziehen rasch nach – gerade aus Schwellenländern wie Indien oder Brasilien. Der große Unterschied ist, dass die neuen Geldgeber keine staatlichen Interessen im Gepäck haben. Sie wollen einfach Business machen.
Im vergangenen Jahr kam erstmals knapp ein Drittel der globalen Direktinvestitionen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein wachsender Teil dieser Mittel fließt wiederum in andere Entwicklungsländer. „In diesem Bereich gibt es eine große Dynamik“, sagt Joachim Karl von der Uno-Handelsorganisation Unctad. Zwischen 1996 und 2009 legten die sogenannten Süd-Süd-Investitionen im Schnitt um 20 Prozent pro Jahr zu. Damit verfestigt sich ein globaler Trend: Zuerst war es der reiche Norden der Welt, der die Globalisierung vorantrieb. Diese Phase scheint vorüber: Nun wird der Süden selbst zum Treiber der Globalisierung.
Nirgendwo wird das deutlicher als in Afrika. Während vielen Firmen aus den Industrieländern den Kontinent mieden, sind aufstrebende Großkonzerne aus Brasilien oder Indien weniger wählerisch. Das schwierige Umfeld in Afrika schreckt sie nicht ab, denn sie sind Armut, Korruption und Infrastrukturprobleme schon aus ihren Heimatmärkten gewohnt. Selbst um äußerst instabile Länder machen diese Unternehmen keinen Bogen: So kündigte der indische Konzern Essar jüngst an, er wolle für 4 Mrd. Dollar in Simbabwe eine Stahlfabrik errichten.
Indische IT-Firmen, brasilianische Banken, malaysische Agrarkonzerne, Investmentfirmen aus den Golfstaaten – sie alle drängen nach Afrika. Die Investitionsvolumen sind teilweise beträchtlich: Rund 11 Mrd. Dollar ließ sich der indische Mobilfunkkonzern Bharti Airtel 2010 die Übernahme des afrikanischen Netzbetreibers Zain kosten. Es war bis dato der größte grenzüberschreitende Deal zwischen Konzernen aus Schwellenländern.
Neben indischen sind auch brasilianische Unternehmen in Afrika auf dem Vormarsch. Die brasilianischen Großkonzerne Vale und Odebrecht beispielsweise investieren derzeit viel Geld in Mosambik, um dort die Kohlereserven zu erschließen. Die Anfangsinvestition des Minenkonzerns Vale liegt bei 1,3 Mrd. Dollar.
Empfehlen