Es war eine geschlossene Gesellschaft, die sich da in Londons edlem Mandarin Oriental Hotel versammelte. Unter den schweren Kristall-Lüstern kamen mehr als 100 Banker und Hedge-Fonds-Manager zusammen - um ihre Flucht zu planen.
Geladen hatten an diesem kalten Märzabend Finanzberater aus der Schweiz. Sie priesen die niedrigen Steuern im Kanton Wallis, die sicheren Straßen an den Ufern des Genfer Sees, die Wochenenden in den nahen Skigebieten - und den Umstand, dass dort die neuen Regeln der EU nicht gelten würden. Kurz: Sie lockten mit allem, was die Hedge-Fonds-Manager in London beunruhigt. Es rumort nämlich in der City.
Erst recht seit Dienstag dieser Woche, der als schwarzer Tag in die Geschichte der Hedge-Fonds eingehen dürfte. Zuerst einigten sich die EU-Finanzminister darauf, die europäischen Hedge-Fonds künftig an die Kette zu legen und zentral zu kontrollieren. Und völlig überraschend sind seitdem in Deutschland auch noch ungedeckte Leerverkäufe verboten, wo doch gerade Leerverkäufe ein beliebtes Instrument der Hedge-Fonds sind. Für die Branche, die bisher kaum reguliert war, bedeuten diese Maßnahmen eine Zäsur. Vielleicht das Ende einer goldenen Zeit ohne Grenzen.
Diese Schritte würden die Branche "wirklich beunruhigen", sagt der Chef eines Übernahmespezialisten aus dem Londoner Stadtteil Mayfair - und kündigte Widerstand an. "Das ist eine große Schlacht, die wir schlagen müssen."
"Viele Anforderungen der EU-Finanzminister sind unangemessen, wenn nicht sogar abstrafend", schrieb am Mittwoch auch die Londoner Branchenvereinigung Alternative Investment Management Association (Aima). Die mächtige Lobbyorganisation, die 1100 Finanzfirmen vereint, hatte wochenlang gegen mehr Regulierung getrommelt. Noch am Montag hatte Aima-Chef Andrew Baker vor den Folgen der Regulierung gewarnt. Nun, so der Verband, seien die angepeilten Regeln für Hedge-Fonds sogar strenger als für andere Investoren. Ein inakzeptabler Zustand.
Der Vorstoß aus Brüssel, angeführt von der deutschen und französischen Regierung, sorgt für Wirbel, vor allem unter den 450 Londoner Hedge-Fonds, die etwa 80 Prozent der europäischen Branche ausmachen und von dort aus rund 250 Mrd. Pfund verwalten. Geht es nach den EU-Finanzministern, müssen sich die Manager von Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften künftig registrieren lassen und zur Einhaltung von Transparenzregeln verpflichten. Zudem müssen sie den Behörden ihre Risiken und ihre Anlagestrategien offenlegen und sich regelmäßigen Kontrollen unterwerfen. Erstmals sollen solche Regeln einheitlich in ganz Europa gelten. Wolfgang Schäuble sprach von einer "Regulierungslücke", die nun geschlossen werde. Bis Juli soll das Gesetz mit wahrscheinlich leichten Änderungen vom Europäischen Parlament verabschiedet werden.
Empfehlen