Auf allen Kontinenten fürchten Staaten eine Rezession, weil Europa sein Schuldendesaster nicht in den Griff bekommt. Fed-Präsident Bernanke und EZB-Chef Draghi reagieren - und öffnen die Schleusen am Geldmarkt.
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Im Kampf gegen die Schuldenkrise gehen die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam in die Offensive. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve in den USA sowie die Notenbanken Großbritanniens, Japans, Kanadas und der Schweiz kündigten am Mittwoch überraschend eine konzertierte Aktion an in der Absicht, die Banken und andere Wirtschaftsbereiche mit ausreichend frischem Geld zu versorgen. Erklärtes Ziel ist, ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern. Sie lösten damit ein Kursfeuerwerk aus.
Die EZB, die Fed sowie die anderen Notenbanken wollen den Geschäftsbanken den Zugang zu Fremdwährungskrediten erleichtern. Die Währungshüter kündigten eine Senkung der Gebühren für die Vergabe von Darlehen in Dollar außerhalb der USA an. Gleichzeitig soll auch die Verfügbarkeit von Euro außerhalb der Währungsunion und von anderen Fremdwährungen erhöht werden.
Es gehe darum, dem weltweiten Finanzsystem mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen und damit Spannungen an den Finanzmärkten abzubauen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Banken. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen.
Der Euro stieg nach der Ankündigung um zwei US-Cent und übersprang die Marke von 1,35 Dollar. Der DAX überwand die Hürde von 6000 Punkten und notierte gut vier Prozent über dem Vortagsniveau. Auch der Euro Stoxx 50 legte mehr als vier Prozent zu. Die Kurse europäischer Staatsanleihen zogen an. Im Gegenzug gingen die Renditen zurück. Einjährige Bundesanleihen rentierten zeitweise sogar im Minus.
Europäische Banken leiden unter Dollar-Knappheit
Der Zugang zu Dollar ist für viele europäische Banken in den vergangenen Monaten zum Problem geworden. Die Institute Europas hatten Schwierigkeiten, sich frische Dollar zu beschaffen, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite zunehmend nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert wurden. Sie benötigen aber Dollar, weil sie Kredite in der US-Devise ausgegeben haben. So läuft die Finanzierung von Schiffen, Flugzeugen oder US-Immobilien in der Regel in Dollar. Gleichzeitig haben viele europäische Banken kaum Kundeneinlagen in Dollar.
Die Amerikaner helfen nicht allein aus Solidarität: Sie versprechen sich eine Stabilisierung der europäischen Konkurrenten und der Wirtschaft insgesamt. Die USA fürchtet eine Rezession in Europa, die die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zurückwerfen würde. Zahlreiche US-Geldmarktfonds hatten sich wegen der Schuldenkrise aus Europa zurückgezigen.
Analysten begrüßten das konzertierte Vorgehen in ersten Reaktionen einmütig. Dies zeige, dass die Verantwortlichen das Problem endlich angingen, sagte Mark Cliffe, Chefvolkswirt der
ING Group. "Zuletzt haben wirklich düstere Szenarien die Runde gemacht. Angesichts dessen ist es wirklich umso wichtiger, dass sie nun mit aggressiven Maßnahmen das Bankensystem unterstützen."
Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel erklärte, die Notenbanken wollten vor allem eine neue Liquiditätskrise abwenden, die wie schon nach der Lehmann-Pleite vor drei Jahren das globale Finanzsystem lähmen könnte: "Die Notenbanken stehen Gewehr bei Fuß. Jegliche Anzeichen einer Liquiditätskrise werden mit allen Mitteln bekämpft. Wenn Verspannungen auftreten, werden sie nachschießen."
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