Ökonomen sind uneinig, wie stark die Euro-Krise die Investitionslust deutscher Firmen 2012 dämpft. Die Einen rechnen mit einem kräftigen Plus bei den Ausrüstungsausgaben, die Anderen erwarten deutliche Einbrüche.
Die Investitionslust deutscher Firmen
hängt 2012 entscheidend an der Lösung
der Euro-Krise. Und weil es hier noch immer
keinen Durchbruch gibt, klaffen die
Prognosen weit auseinander: Rechnen Optimisten
vor allem dank niedriger Zinsen
mit einem kräftigen Plus bei den Ausrüstungsausgaben,
erwarten Pessimisten
teils deutliche Einbrüche. „Schon im ersten
Quartal dürfte es ein größeres Minus
geben“, sagte Timo Klein von der Researchfirma
Global Insight. Der Ökonom
schätzt, dass die Privatwirtschaft 2012 fünf
Prozent weniger für Maschinen, Geräte
und Fahrzeuge ausgeben wird als im vergangenen
Jahr.
Ein komplett anderes Bild malen hingegen
die Fachleute der DZ Bank, die sogar
von einem Investitionsplus um 7,3 Prozent
ausgehen. Das wäre nur etwas weniger als
im Boomjahr 2011, als die Ausgaben um
satte neun Prozent zulegten.
Hinter diesen diametral unterschiedlichen
Zahlen der deutschen Prognostiker
stehen völlig gegensätzliche Vorstellungen
darüber, wie sich die Krise der Euro-
Zone in den kommenden Monaten entwickeln
und auf die Investitionstätigkeit in
Deutschland durchschlagen wird.
Demnach besteht nach Auffassung von
Global Insight ein rund 40 prozentiges Risiko,
dass es in Griechenland bereits im
Februar oder März zu einer umfassenden
und offiziellen Umschuldung der griechischen
Staatsschulden kommen wird –
weil sich die Einsicht durchsetzt, dass die
gesteckten Defizitziele nicht mehr erreicht
werden können. „Dann dürfte die Angst
steigen, dass die Euro-Krise weiter eskaliert,
und so den deutschen Unternehmen
die Investitionslaune vermiesen“, sagte
Klein von Global Insight.
Auch die Prognostiker des Forschungsinstituts
IMK sind pessimistisch. Sie rechnen
immerhin mit einem schwachen Plus
von 0,4 Prozent bei den Ausrüstungsinvestitionen
2012. Schlechtere Geschäftserwartungen
bei den Herstellern von Investitionsgütern
deuteten bereits auf ein Ende
der Erholung hin. „Im Verlauf des Prognosezeitraums
verschlechtern sich die Absatzaussichten,
da die Weltkonjunktur –
vor allem im Euro-Raum – weiter deutlich
an Dynamik einbüßen wird“, heißt es im
Konjunkturbericht. Besonders die Sparpakete
belasteten die Nachfrage der Euro-
Nachbarn nach deutschen Produkten. Die
Optimisten der DZ Bank betonen hingegen
die globalisierte Ausrichtung der deutschen
Unternehmen. „Die Weltwirtschaft
dürfte 2012 um rund 3,5 bis vier Prozent
zulegen. Davon profitiert vor allem die hiesige
Wirtschaft“, sagte Michael Holstein,
Volkswirt bei der DZ Bank. Der entscheidende
Faktor in seiner Prognose: Er erwartet,
dass die Euro-Krise sich ab dem kommenden
Frühjahr deutlich entspannt.
„Dann kommt auch das Vertrauen zurück.
Unterstützend wirken dann die hohe Auslastung
und der sehr hohe Auftragsbestand“,
so Holstein.
Zuversichtlich sind auch die Prognostiker
der Researchfirma Kiel Economics. Die
Ökonomen glauben, dass die deutsche
Wirtschaft einer Rezession in Europa dank
niedriger Zinsen trotzen kann. „Die Kapitalmarktzinsen
sind auf historischen Tiefständen,
und die Realverzinsung ist sogar
negativ“, so Carsten-Patrick Meier von Kiel
Economics. „Deshalb sind auch die Kreditzinsen
deutlich gesunken.“ Ein weiteres
Plus: Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit
sei dank der Abwertung des Euro so hoch
wie zuletzt im Jahr 2000. „Allerdings“, so
betonte Meier, „ist die Euro-Krise noch
nicht ausgestanden.“ Mit anderen Worten:
Die deutsche Investitionslust 2012 steht
und fällt mit der Lösung der Euro-Krise.

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