Nur dank eines 750-Mrd.-Fonds konnte der Erdrutsch an den Kapitalmärkten gestoppt werden - vorerst. Der Maastricht-Euro ist gescheitert, aber ein Zurück gibt es nicht. Ökonomen rechnen dennoch die Rückabwicklung durch.
In einer Professorenstube auf dem Campus der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität spielt Dirk Meyer die Konterrevolution durch. Der Ökonom hat einen Plan für die Wiedergeburt eines Mythos entworfen. Er beschreibt en détail, wie Deutschland die D-Mark als "Neue Deutsche Mark" zurückbekommen könnte.
Meyer ist kein Nostalgiker, sondern einer, der das Für und Wider kalt durchrechnet. Sein Fazit: "Wenn die Griechen die Währungsunion nicht verlassen, muss eben Deutschland die Notbremse ziehen." Das komme auf Dauer billiger, als die kriselnden Euro-Partner im Süden mit Steuermilliarden herauszupauken.
So realitätsfern das ist und so chancenlos auch die Verfassungsklage gegen die deutsche Griechenland-Hilfe sein dürfte, die Meyer mit Gleichgesinnten eingereicht hat – in der Euro-Krise scheint bald gar nichts mehr ausgeschlossen.
Die Athener Haushaltstragödie ist zum Überlebenskampf für die gesamte Währungsunion eskaliert: Die stark verschuldeten Länder, vor allem im Süden, ringen um internationale Kredite. Wer bekommt welche Konditionen? Ist das dann überhaupt noch finanzierbar? Und wie lang hält die Euro-Zone diese Unsicherheit durch, ohne zu zerbersten?
An jenem Wochenende, an dem das politische Deutschland noch auf die Landtagswahl in NRW starrte, haben Europas Regierungen zu einem beispiellosen Schlag ausgeholt, um diese Fragen ein für alle Mal zu unterdrücken. Ein hastig gebastelter Kreditfonds in Höhe von 500 Mrd. Euro für potenzielle Wackelkandidaten soll die bebenden Märkte zur Ruhe zwingen; der Internationale Währungsfonds (IWF) legt noch mal bis zu 250 Mrd. Euro an Kredit obendrauf. Zur Not kauft auch die Europäische Zentralbank Staatsanleihen bedrängter Schuldner.
Eine "weltweit organisierte Attacke gegen den Euro" müsse abgewehrt werden, erklärt Jean-Claude Juncker, der luxemburgische Premier und Chef der Euro-Gruppe. Die "absolute Generalmobilmachung" ruft Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy aus.
Europas Regierungschefs haben sich geradezu in einen Krieg hineingeredet – den Krieg um den Euro.
Doch mehr als ein Schützengraben ist auch das gigantische Kreditpaket nicht. Für Europa ist die Stunde der unbequemen Wahrheiten gekommen: Die Gemeinschaft muss den längst entstandenen Schaden schonungslos analysieren. Und sie muss endlich dafür sorgen, dass die Währungsunion ein neues, ökonomisch tragfähigeres Fundament erhält.
Punkt eins der Bestandsaufnahme: Der Maastricht-Euro ist gescheitert.
Nicht nur nach außen ist das Bild der Gemeinschaftswährung derart desolat, dass von einer Rolle als Herausforderer des $ keine Rede mehr sein kann. Auch nach innen hat der Euro zuletzt das genaue Gegenteil von dem gebracht, was seine Väter versprachen. Statt Frieden und Freundschaft trug die gemeinsame Währung Gift und Galle in die Union.
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