Zins- und Währungsbarometer

Zins- und Währungsbarometer Auf absehbare Zeit kommt kein Inflationsschub

[10:33, 08.02.12]


Den unappetitlichsten Job im Euro-Raum hat im Moment vermutlich Loukas Papademos.


Loukas Papademos

 Loukas Papademos

Der griechische Premierminister eilt seit Wochen von einem Krisengespräch zum nächsten, verhandelt in Marathonsitzungen mit Banken, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) – und muss sich von anderen belehren und vorführen lassen. Griechenland, Wiege der europäischen Kultur, hat sich zwar angestrengt, aber die gewünschten Spar- und Reformziele nicht zur Zufriedenheit der Troika erreicht. Der Schuldenschnitt ist nun unvermeidlich. Bald könnte Pedro Passos Coelho, Regierungschef in Lissabon, Bekanntschaft mit Papadimos’ Stresslevel machen: Denn ähnlich besorgniserregend ist die Lage in Portugal – und das obwohl dort die Sparpläne aus Brüssel umgesetzt wurden. Das Fazit der Märkte: Sparen allein reicht nicht.

Die Situation ist dramatisch. Je nachdem wie der hellenische Schuldenschnitt ausfällt, zieht er Banken mit in den Abgrund – was wiederum andere Länder gefährden könnte. Portugal würde wanken, die Gemeinschaftswährung weiter an Glaubwürdigkeit verlieren. So weit die Theorie. Doch daran glauben die von BÖRSE ONLINE regelmäßig befragten Experten nicht: Bernhard Eschweiler von der Silvia Quandt Bank sagt eine „langsame Stabilisierung der Euro-Schuldenkrise“ voraus, die der „Hauptgrund für die erwartete Erholung ist“. Ähnlich urteilt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe: „Die EZB hat gezeigt, dass sie die Währungsunion nicht im Stich lassen wird – das stärkt den Euro.“ Vor diesem Hintergrund rechnen die Volkswirte auf Jahressicht mit einem stabilen Kurs von im Schnitt 1,31 Euro je Dollar.

Die expansive Geldpolitik der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks hält sich laut Maxence Mormède von  Allianz Global Investors die Waage und hält somit den Euro stabil. Da nun „die wirtschaftlichen Risiken weiter nach unten zeigen“, dürfte das seiner Ansicht nach auch so bleiben. Doch Inflationsgefahren nähmen „aufgrund der zunächst weltweiten Konjunkturverlangsamung“ ab, meint Klaus Schrüfer von der Santander Bank. Die Leitzinsen sollten daher in den drei wichtigen Währungen Dollar, Euro und Yen kurzfristig konstant bleiben.

Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen auf Euro-Basis dürften kurzfristig zwar stabil bleiben, im Laufe der kommenden zwölf Monate allerdings sinken. Denn der „Anlagenotstand und der sichere Hafen Unternehmensanleihen ziehen weiter Kapital an“, sagt Fondsmanager Christian Zima von Raiffeisen Capital Management.

 

Den Beitrag können Sie im neuen Heft von BÖRSE ONLINE, Nr. 07/12, lesen.

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© 2012 boerse-online.de, © Illustration: reuters

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