Editorial

Editorial Unternehmen abgeklopft

[10:30, 08.02.12]


Kurz nachdem die Fusion mit der NYSE Euronext von der EU-Kommission untersagt worden ist, räumt die  Deutsche Börse auf dem Heimatmarkt auf.


<b>Stefanie Burgmaier, Chefredakteurin</b>

 Stefanie Burgmaier, Chefredakteurin

Der Open Market, der frühere Freiverkehr, wird neu strukturiert (Seite 9). Das First Quotation Board, ein Teilsegment des Open Market, wird geschlossen. Dort war es in der Vergangenheit immer wieder zu Unregelmäßigkeiten und Manipu­lationsversuchen gekommen. Den 448 Unternehmen, die dort im ­Moment notiert sind, wird der Wechsel in den Entry Standard, zweites Teilsegment des Open Market, angeboten. Zugleich werden die Listingvorschriften für diesen Bereich verschärft. So müssen die ­Gesellschaften ab dem dritten Quartal 2012 vor der Notierungs­aufnahme ein öffentliches Angebot und einen Prospekt vorlegen. Auch die laufenden Pflichten werden für die Unternehmen strikter. Diese Bestimmungen fördern prinzipiell den Schutz der Anleger und sind deshalb zu begrüßen. Allerdings sollten Aktionäre, die Papiere aus dem First Quotation Board halten, prüfen, ob sie ihre Papiere nicht besser verkaufen. Denn sie laufen Gefahr, dass sie ab dem Spätsommer diese Aktien nicht mehr handeln können.

Von den Veränderungen sind die 50 Unternehmen, die wir in unserer Titelgeschichte untersucht haben, kaum betroffen. Nur eine Handvoll gehören nicht einem Index an. Unser Bond-Experte ­Sebastian Ertinger und unser Nebenwertespezialist Stefan Otto haben bei ausgewählten Gesellschaften untersucht, ob sich für Anleger eher die Aktie oder die Anleihe aktuell für ein Investment eignet. Sie haben dabei nicht nur Anleihen- und Dividendenrendite gegenübergestellt, sondern auch das Potenzial des Unternehmens abgeklopft. Bei einigen Gesellschaften kristallisiert sich eindeutig eine bessere ­Alternative heraus, bei anderen sind beide Anlageformen kaufenswert, von einer dritten Gruppe sollten Anleger ganz die Finger lassen.

Ähnlich umstritten ist zurzeit der größte Börsengang eines Internetunternehmens. Voraussichtlich im Mai wird das soziale Netzwerk Facebook erstmals notiert werden. Deutsche Anleger haben aber kaum Chancen, die neuen Aktien zu zeichnen. Mein Kollege ­Tobias Schorr hat untersucht, welcher der Konkurrenten attraktiv ist.

 



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