Aktueller Kommentar vom 28.09.2017:

Zwei alte Bekannte kehren zurück

Der Monatswechsel naht. Die Sell-in-Summer-Strategie gibt ab dem 1. Oktober wieder grünes Licht für Aktieninvestments. Deshalb werden wir den Investitionsgrad auf etwa 75 Prozent hochfahren.

Da der 1. Oktober auf einen Sonntag fällt, können wir erst einen Tag später handeln. Wir ordern daher am Montag, 2. Oktober, folgende Positionen:

120 ETF-Anteile auf den MSCI-World-Index (WKN: A1C9KL) mit Kauflimit 17,50 Euro.

25 Aktien von BB Biotech (WKN: A0NFN3) mit Kauflimit 58,00 Euro.

Beide sind alte Bekannte, die sich schon einmal im Depot befanden und nun erneut hineinrutschen, weil wir nach der scharfen Korrektur des US-Dollar wieder stärker in den Vereinigten Staaten investiert sein wollen, um eine eventuelle Gegenreaktion mitzunehmen. Der MSCI-World-Index besteht zu mehr als 50 Prozent aus US-Aktien. Die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech hat ihren Sitz zwar in der Schweiz, investiert jedoch schwerpunktmäßig in Nordamerika. Eigentlich bringt es die Aktie derzeit nicht auf die erforderliche Levermann-Punktzahl, um sich für eine Depotaufnahme zu qualifizieren. Betrachtet man sie aber als kostengünstigen Branchenfonds (was sie dem Wesen nach auch ist), ist die Aufnahme durchaus zu rechtfertigen. Da US-Biotechwerte aktuell zu historisch günstigen Bewertungen zu haben sind (vgl. BÖSE ONLINE Nr. 39/2017), bietet dieser Sektor im Moment wohl die Kaufchance schlechthin.

Die Verkäufe vom 28. Juli brachten allesamt Gewinn:

Die 120 ETF-Anteile auf den MSCI World (WKN: A1C9KL) wurden zu 16,56 Euro mit 7,60 Prozent Gewinn verkauft. Nachträglich erhielten wir auf diese Position noch eine Ausschüttung von 10,71 Euro (nach Steuern).

Die 60 ETF-Anteile auf den TecDAX (WKN: 593397) wurden zu 20,87 Euro mit 24,30 Prozent Gewinn verkauft.

Die zwölf ETF-Anteile auf den SDAX (WKN: ETF005) wurden zu 105,59 Euro mit 18,18 Prozent Gewinn verkauft.

Die zehn Aktien von Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) wurden zu 147,64 Euro mit 16,00 Prozent Gewinn verkauft.

Die fünf Roche-Genusscheine (WKN: 855167) wurden zu 213,66 Euro mit 6,35 Prozent Gewinn verkauft.

Da wir aus dem Vorjahr noch einen Verlustvortrag von 147,99 Euro zur Verfügung hatten, konnten wir die Gewinne größtenteils steuerfrei einstreichen. Nach Abzug von Ordergebühren sowie nicht durch den Verlustvortrag gedeckter Steuern und Solidaritätszuschläge von insgesamt 48,01 Euro beträgt die neue Liquidität 7140,44 Euro. Sie wird sich durch die neuen Käufe am Montag etwa halbieren. Da die Gebert-Methode (siehe Beschreibung Modul 2) weiterhin auf "Verkaufen" steht, werden wir etwa ein Viertel des Depotwerts bis auf Weiteres auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen.

Unserem Ziel einer Wertentwicklung hinken von etwa zehn Prozent pro Jahr nach Steuern hinken wir im Moment noch etwas hinterher. Hoffen wir auf einen guten Jahresausklang, dann sollte es möglich sein, den Rückstand wieder aufzuholen.

Wertentwickung

+ 7,00 % seit Jahresbeginn

+ 38,01 % seit Auflage am 1.10.2013 mit 10.000 €

+ 33,91 % nach Steuern seit Auflage am 1.10.2013

So funktioniert das Depot

Das Musterdepot Vermögensaufbau startete am 1. Oktober 2013 mit 10.000 Euro. Ursprünglich war es von Jens Castner für die Monatszeitschrift €uro konzipiert worden, um Anlageideen für Privatinvestoren zu liefern, die mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz langfristig und in Ruhe ein Vermögen aufbauen wollen. Mit Castners Berufung zum Chefredakteur von BÖRSE ONLINE zum 1. Januar 2014 erfolgte der Umzug des Depots auf die Internetseite www.boerse-online.de. Ziel der Strategie ist die Verzehnfachung des eingesetzten Kapitals innerhalb von 25 Jahren (nach Steuern). Neben Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag (zusammen 26,375 Prozent) auf realisierte Gewinne, Dividenden und Zinseinkünfte werden 0,25 Prozent Transaktionskosten berücksichtigt, mindestens aber 9,95 Euro. Umschichtungen sind nach vorheriger Ankündigung maximal einmal pro Monat möglich, um hektisches Handeln zu verhindern und Gebühren zu sparen.

Das Depot besteht aus vier Modulen, von denen drei breit gestreut auf Indexprodukte setzen, wenn die zugrunde liegende Strategie grünes Licht gibt. Dazu werden - ebenfalls nach festen Regeln - bis zu vier einzelne Investmentideen vorgestellt, wobei neben Aktien auch Genussscheine und Derivate eingesetzt werden können.

Modul 1: Sell in Summer

Etwa ein Viertel des Depotwerts wird am letzten Handelstag im Juli verkauft. Die Sell-in-Summer-Strategie ist im August und September nicht im Markt, da dies statistisch gesehen die schlechtesten Börsenmonate sind. Der Wiedereinstieg erfolgt am 1. Oktober.

Modul 2: Gebert-Strategie

Die Methode des Physikers Thomas Gebert berücksichtigt neben saisonalen Faktoren das Zinsumfeld, die Inflation und die Entwicklung des US-Dollar. Es gibt jeweils einen Punkt, wenn

a) die "gute Börsenzeit" von November bis April vorherrscht

b) die Inflationsrate niedriger ist als vor einem Jahr

c) der Dollar im Vergleich zum Euro höher steht als vor einem Jahr

d) der letzte Zinsschritt der EZB eine Senkung war.

Investiert wird ab 3 Punkten, zwingend verkauft ab einem Punkt. Bei zwei Punkten wird die aktuelle Positionierung beibehalten. Aktuell steht es 1:3. Das heißt: Ein Viertel des Anlagevolumens ist bis auf Weiteres nicht im Markt.

Modul 3: Value at Risk

Der Value at Risk (kurz VaR) ist eine Kennzahl, um das aktuelle Marktrisiko zu messen. Grob gesagt, gibt der VaR das Rückschlagrisiko für eine Aktie oder einen Markt in Prozent für die nächsten fünf Handelstage an. Da die Methode während der Finanzkrise nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers versagte, hat der Münchner Börsenprofessor Stefan Mittnik sie weiterentwickelt und optimiert. Einmal pro Woche meldet Mittnik den aktuellen VaR-Wert an die Redaktion. Ist das Marktrisiko im Vier-Wochen-Rückblick um mehr als ein Prozent gestiegen, wird verkauft, ansonsten ist ein Viertel des Depotwerts in Indexprodukte investiert. Zuletzt ist das Marktrisiko gesunken, daher lieferte der Indikator ein Kaufsignal. Ein Viertel des Depotwerts wird bis auf Weiteres in das Value-at-Risk-Wikifolio investiert.

Modul 4: Einzelwerte

Einzelwerte sind das Salz in der Suppe eines Musterdepots. Hierbei beschränken wir uns auf maximal vier Wertpapiere und auf solide Standardtitel mit mindestens fünf Milliarden Euro Börsenwert - jedenfalls so lange, bis die erzielte Performance mehr und auch spekulativere Anlagen zulässt. Da wir auch hier einen regelbasierten Auswahlprozess einfließen lassen wollen, nutzen wir zur Auswahl das Punkteschema der ehemaligen Fondsmanagerin Susan Levermann, die Aktien nach 13 fundamentalen und markttechnischen Kriterien bewertet. Ab sieben Levermann-Punkten kommt ein Standardwert zwingend ins Depot, sofern es keine fundamentalen oder charttechnischen Bedenken der Redaktion gibt. Erreicht eine Aktie (oder ein Genussschein) nur sechs Punkte, ist eine Depotaufnahme möglich, wenn die Dividende fünf Jahre in Folge mindestens konstant gehalten wurde. Titel mit fünf Punkten und entsprechender Dividendenkontinuität können aufgenommen werden, wenn sie in einem bekannten Index zum Fünftel mit der geringsten Volatilität (Schwankungsanfälligkeit) beziehungsweise dem niedrigsten Value at Risk (siehe Modul 3) gehören.

Vermögensaufbau-Depot von BÖRSE ONLINE

Titel ISIN Währung akt. Kurs Anzahl Wert Anteil Kaufdatum Kaufpreis Veränderung
Deka DAX® UCITS ETF DE000ETFL011 EUR 121,06 12 1.452,72 10,37 % 01.10.2013 82,68 46,42 %
iShares MDAX (R) UCITS ETF (DE) DE0005933923 EUR 229,69 7 1.607,83 11,47 % 01.10.2013 137,27 67,33 %
Endlos Zertifikat WFEURASVAR auf Wikifolio-Index DE000LS9HDH9 EUR 128,29 30 3.848,70 27,46 % 22.08.2016 105,22 21,93 %
BB BIOTECH AG CH0038389992 EUR 55,62 25 1.390,50 9,92 % 02.10.2017 58,40 -4,76 %
HSBC MSCI WORLD ETF (DE) DE000A1C9KL8 EUR 17,28 120 2.073,48 14,80 % 02.10.2017 17,00 1,64 %
Summe 14.013,67 € 100 %
Cash 3.640,44 € 25,98 %