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Agrartechnik: Fit für die nächste Ernte

Agrartechnik: Fit für die nächste Ernte
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02.10.2017 06:40:00

Nach einem harten Absturz und jahrelanger Flaute ziehen die Umsätze der Hersteller von Traktoren und Co wieder an. Die Aktienkurse haben das vorweggenommen, doch sie haben weiter Potenzial. Von Carl Batisweiler

Für die Verbraucher sind die Schlagzeilen im Boulevard keine gute Nachricht: "Butter über zwei Euro!", meldet etwa die "Bild" und verspricht, "es wird noch teurer". Für die fast 70 000 Milchbauern in Deutschland ist das hingegen eine frohe Botschaft. Das erste Mal nach Jahren liegt der Milchpreis wieder auf einem Niveau, auf dem die Landwirte nicht mehr draufzahlen. Das freut auch die Branche der Landmaschinenhersteller, denn sie hofft nun auf kräftige Investitionen der Bauern - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Die bisherigen Zahlen belegen den Aufschwung. Der Agrar- und Landtechnikhändler Baywa etwa meldet fürs erste Halbjahr allein beim Absatz von gebrauchten Traktoren ein Plus von 42 Prozent. "Wir erleben seit einigen Monaten auf zahlreichen Märkten ein konjunkturelles Comeback", bestätigt Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA (Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer). Im Vorfeld der weltweit größten Agrartechnikmesse Agritechnica, die im November in Hannover stattfindet, berichtet der Verband von zweistelligen Zuwachsraten beim Auftragseingang aus dem In- und Ausland. Für das Gesamtjahr erwartet der VDMA ein Umsatzvolumen aus deutscher Produktion von 7,5 Milliarden Euro.

Dass die deutsche Entwicklung ein guter Indikator für den globalen Trend ist, liegt zum einen daran, dass von den sogenannten "Big Six" der Branche - John Deere, CNH Industrial, AGCO, Claas, Same-Deutz-Fahr (SDF) und Kubota - bis auf die letztgenannten Japaner alle auch oder zu großen Teilen in Deutschland entwickeln und produzieren. Das Traktorenwerk in Mannheim beispielsweise ist die größte John-Deere-Fabrik außerhalb der USA. Zu Kubota wiederum gehören der norwegische Pflughersteller Kverneland, zudem betreibt der Konzern inzwischen in Frankreich eine große Traktorenfabrik.

Zum anderen spielen Deutschland und die Europäische Union noch unter zwei anderen Aspekten eine wichtige Rolle im Agrartechnikbusiness: Von den jährlich rund 100 Milliarden Euro Produktionsvolumen weltweit entfallen ungefähr 28 Prozent auf die EU. Die USA und Kanada sind zwar in puncto Agrarproduktion nach wie vor die weltweite Nummer 1, doch bei der Landtechnik stehen sie mit 22 Prozent Marktanteil erst an zweiter Stelle.

Drittgrößter Produzent von Schleppern, Pflügen oder Sämaschinen ist China, allerdings sind die Hersteller dort oft in staatlicher Hand und ihre Maschinen international noch nicht wettbewerbsfähig. Wichtige Player der Branche kommen aus Indien wie etwa Tafe oder der Mischkonzern Mahindra. Auf dem Subkontinent sind allerdings einfachste Maschinen zu niedrigen Preisen gefragt.

Hochwertige Landtechnik, die auch den neuen Anforderungen durch die Digitalisierung der Agrarwirtschaft und dem sogenannten Precision Farming genügt, kommt hingegen hauptsächlich von den großen westlichen Herstellern oder den kleinen und mittelständischen Landtechnikunternehmen in Europa, vorwiegend aus Deutschland und Italien. Diese besetzen wichtige Nischen im Landtechnikmarkt - und sind vor allem als Übernahmeziele für die Branchenführer interessant.

AGCO etwa, einst durch ein Management-Buy-out der Deutz USA entstanden, wurde vor allem durch den Kauf der deutschen Vorzeigemarke Fendt zur Branchengröße. Im Frühjahr erwarben die Amerikaner die Sparte Grünfuttertechnik vom niederländischen Konzern Lely und können nun fast alle Geräte für den Landwirt anbieten.



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Bildquelle: AGCO Fendt, BO, BO, BO, BO, BO

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