Mit guten Zahlen startet die Allianz in das laufende Jahr. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis (Ebit) um 9,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um 15,3 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Allerdings hatte die Allianz im Vorjahresquartal die Latte hochgelegt: Die Gewinne seien einmalig wegen dem Verkauf einer Finanzbeteiligung gestiegen, sagte Finanzchef Dieter Wemmer am Freitag in München. Angesichts des "außerordentlich starken Vorjahresquartals" sei der Periodenüberschuss damit "solide" gewesen.

Im Geschäft mit der Lebens- und Krankenversicherung kletterte das Ebit um 35 Prozent auf 1,155 Milliarden Euro (Vj.: 852 Milionen Euro). Der Grund: Die Kapitalanlagen in den USA hätten eine stärkere Marge abgeworfen, sagte Wemmer. Die Allianz nahm durch Beiträge 1,3 Prozent mehr ein: 16,9 Milliarden Euro. In den USA jedoch gingen die Umsätze zurück.

Pimco wächst



Gute Nachrichten auch von Pimco. Der krisengeschüttelten US-Fondstochter flossen Mittel in Höhe von 21 Milliarden Euro zu - so viele wie seit Anfang 2013 nicht mehr. Auch für das zweite Quartal zeigte sich Wemmer optimistisch. Die Fonds von Pimco seien für die Kunden sehr attraktiv, warb er.

Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag der Assetmanagement-Spalte (Pimco und Allianz Global Investors) fiel um 3,6 Prozent auf 63,3 Prozent. Die Vermögensverwalter mussten also 63,3 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen.

Pimco und Allianz Global Investors verwalteten insgesamt 1,4 Billionen Euro, 42 Milliarden mehr als noch zum Jahresende. Das Ebit stieg um 24,4 Prozent auf 572 Millionen Euro.

Auf Seite 2: Teure Großschäden





Teure Großschäden



Teure Großschäden und viele Naturkatastrophen verhagelten die Bilanz der Schaden-/Unfallversicherung. Das Ebit sank um 12,7 Prozent auf 1,259 Milliarden Euro. Den Münchener Konzern belasteten vor allem Kosten für Stürme, etwa "Debbie" in Australien. Dadurch sei die Schaden-Kosten-Quote gestiegen, gab die Allianz an - um 2,3 Prozent auf 95,6 Prozent (93,3 Prozent). Mit diesem Wert geben Versicherungen das Verhältnis zwischen Ausgaben für Schäden und Prämieneinnahmen an. Je niedriger diese Ziffer, desto profitabler arbeitet sie.

Auch eine Gesetzesänderung in Großbritannien mit dem sperrigen Namen "Odgen-Diskontsatzänderung" schlug sich negativ nieder: Unfallopfer dort können dem Versicherer gegenüber höhere Ansprüche als bisher geltend machen.

Dennoch sei diese Sparte auf einem "guten Weg, das Gesamtjahresziel zu erreichen," bekräftigte der Finanzchef. Daran könnten auch die höheren Kosten in Großbritannien "nichts ändern." Das Geschäft der Allianz dort sei ohnehin nicht groß - diese neue Regelung beeinflusse die Gruppe damit kaum.

Am Kapitalmarkt erzielte die Allianz eine Eigenkapitalrendite von 12,4 Prozent (12,3 Prozent). Damit lag der Versicherer hinter dem ausgerufenen Ziel von 13 Prozent zurück. Verantwortlich dafür sei das zu hohe Eigenkapital. Die Bayern verfügen über ein Kapitalpolster von 67,1 Milliarden Euro (31. Dezember 2016: 67,1 Milliarden). Der Finanzchef wolle daran aber nicht unbedingt sofort etwas ändern: "Das gibt uns alle Möglichkeiten, aber wir fühlen uns nicht unter Druck, schnell etwas zu tun," sagte er. Allianz-Chef Oliver Bäte ist schon länger auf der Suche nach Zukäufen.

Auf Seite 3: Einschätzung zur Aktie





Einschätzung zur Aktie



Anleger reagierten leicht enttäuscht auf die Zahlen. Die Allianz-Aktie sank am Freitag um 0,49 Prozent auf 172,45 Euro.

Das Papier lockt vor allem mit der hohen Dividende. Auf der Hauptversammlung in der vergangen Woche hatte Bäte versprochen, die Ausschüttung auch in Zukunft auf dem Niveau des Vorjahres zu halten. Für 2016 erhielten Anteilseigner 7,60 Euro je Aktie und erzielten damit eine Dividendenrendite von 4,32 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr gehen Analysten von 7,80 Euro aus.

Zudem kauft der Konzern eigene Papiere zurück und nimmt sie vom Markt. Bei gleichbleibenden Gewinn steigt damit das Ergebnis je Aktie und die Dividendenrendite. Bis vergangenen Freitag hatte der Versicherer 6,7 Millionen Aktien im Wert von knapp 1,2 Milliarden Euro zurückgekauft.

Auch operativ sieht es bei der Allianz gut aus: Die Trendwende bei Pimco scheint geschafft, wie etwa das gute Aufwand-Ertrag-Verhältnis und die steigenden Nettomittelzuflüsse zeigen.

Wenn Bäte noch einen Übernahmekandidaten findet, kann der Konzern die Kosten durch Skaleneffekte senken.

Ein Problem bleiben die niedrigen Zinsen. Dadurch kann der Versicherer die eingesammelten Gelder nur schwer gewinnbringend anlegend. Chancen ergeben sich mit der Zinswende.

Auf dem wichtigen US-Markt sind die Umsätze in der Lebens- und Krankenversicherung zurückgegangen. Die hohe Konkurrenz auf dem Versicherungsmarkt drücken weiter auf die Preise. Die Digitalisierung ist teuer - aber nötig.

Der operative Gewinn des Konzerns soll im laufenden Jahr um 10,8 Milliarden Euro stagnieren und nur im besten Fall - wenn wenige Schadensfälle auftreten - um 500 Millionen Euro steigen.

Die Allianz-Aktie bleibt angesichts hoher Dividende und solider Fundamentaldaten ein Basis-Investment für langfristig orientierte Anleger. Nach unten ist das Papier gut abgesichert.

Empfehlung: Kaufen.
Kursziel: 186,00 Euro
Stoppkurs: 167,00 Euro