20.01.2016 18:16:53

Ausverkauf an Aktienmärkten - Ölpreis fällt weiter


Frankfurt (Reuters) - Der scheinbar unaufhaltsame Verfall der Ölpreise hat auch am Mittwoch die Aktienmärkte rund um den Globus in den Keller geschickt.

Der Dax verlor 2,8 Prozent auf 9391,64 Punkte und schloss damit so niedrig wie zuletzt Mitte Dezember 2014. Der EuroStoxx50 mit seinen vielen Energie- und Bankentiteln gab um 3,3 Prozent auf 2882,59 Zähler nach, das war der niedrigste Stand seit Oktober 2014. Die Talfahrt der Ölpreise nahm nach einer Stabilisierung am Vortag wieder Fahrt auf. Die Internationalen Energie-Agentur (IEA) warnte, die Ölmärkte könnten in diesem Jahr "im Überangebot ertrinken". Damit habe sie im wahrsten Sinne Öl ins Feuer geschüttet, sagte IG-Marktest-Analyst Christian Henke.

An den Öl-Terminmärkten brach der Preis für das US-Öl WTI zur Lieferung im Februar um 6,7 Prozent auf 26,50 Dollar je Fass (159 Liter) ein und stand damit so niedrig wie zuletzt im Mai 2003. Auch der bereits aktiver gehandelte März-Kontrakt ließ Federn und stürzte um fast sechs Prozent auf 27,83 Dollar ab. Das an den Finanzmärkten führende Brent aus der Nordsee verlor 4,8 Prozent auf 27,37 Dollar und kostete damit so wenig wie zuletzt im November 2003.

Dies drückte auch die Stimmung an der Wall Street: Bis zum Handelsschluss in Europa verloren der Dow-Jones- und der S&P500-Index je 2,4 Prozent. Enttäuschende Geschäftszahlen von IBM[nL8N15407R], AMD[nL8N1534VA] und Goldman Sachs[nL8N15433W] taten ihr übriges: IBM und AMD fielen vier und fünf Prozent, Goldman Sachs verloren 2,2 Prozent.

Europaweit gerieten vor allem die Aktien der Bergbau- und Ölkonzerne ins Wanken: So stürzten die in London und Amsterdam gelisteten Aktien von Shell um rund sieben Prozent ab. BP verloren vier Prozent, die Titel der französischen Total 5,4 Prozent. Da auch die Preise für andere Rohstoffe wie die Industriemetalle Kupfer seit Wochen auf Talfahrt sind, fielen auch die Kurse der Minengesellschaften wie Anglo American oder Rio Tinto um gut sieben und fast fünf Prozent.

Anleger fürchten nun, dass viele Rohstoff-Firmen den Preisverfall nicht mehr lange durchhalten werden. "Auf uns rollt eine riesige Pleitewelle von Ölförderern und Minen-Betreibern zu", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Am Markt werde ein Volumen in dreistelliger Milliardenhöhe herumgereicht.

FINANZWERTE IM ABWÄRTSSTRUDEL

Kein Wunder also, dass viele Anleger generell die Finanzwerte aus ihren Depots warfen: Der EuroStoxx-Banken-Index sackte um 4,8 Prozent ab - nur geringfügig weniger als der Energie-Index mit minus fünf Prozent. Größter Verlierer waren die Aktien der italienischen Monte dei Paschi, die um 22 Prozent auf ein frisches Rekordtief von 0,51 Euro abstürzten. Italiens Bankentitel sind in dieser Woche wegen der Überprüfung der notleidenden Kredite durch die EZB besonders unter Druck geraten - allen voran die schon seit längerem kriselnde Bank aus Siena. Einige Kunden haben inzwischen offenbar ihre Einlagen abgezogen[nL8N1542H2]. Italiens größte Bank Unicredit verlor 7,8 Prozent.

Auch die Aktien von Deutschlands Geldhäusern gerieten unter die Räder- allen voran die Titel der Deutschen Bank mit einem Abschlag von sechs Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief von 17,72 Euro. Commerzbank verloren 5,5 Prozent.

Viele Investoren nahmen Kurs auf vermeintlich sichere Häfen und steckten ihr Geld in Gold, das sich um 1,6 Prozent auf 1103,90 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Auch Bundesanleihen waren gefragt. Der Bund-Future, der auf den zehnjährigen Bundesanleihen basiert, stieg auf ein Rekordhoch von 161,31 Punkten[nL8N1541U0].

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