Bei BMW machen sie um Personalien auch am Ende einer Ära kein großes Aufheben. "Wir danken Herrn Reithofer für sein Engagement und seinen herausragenden Einsatz", sagte BMW-Kommunikationschef Max Schöberl am Dienstag am Ende der Telefonkonferenz mit Journalisten zum bevorstehenden Führungswechsel von Reithofer zum bisherigen Produktionsvorstand Harald Krüger nächste Woche ein wenig schmucklos. Aber so sind sie bei BMW eben: nüchtern in der Außendarstellung, aber voller Emotionen, wenn’s um ihre Autos geht.

Starke Zahlen



Dabei gäbe es in der Zentrale am Olympiapark in München genug zu loben und noch mehr feiern. Denn Reithofers letzte Quartalsbilanz als BMW-Chef schimmert so gülden wie die Quartale zuvor. Noch nie in ihrer Geschichte sind die Bayern so gut in ein Jahr gestartet wie 2015. Von Januar bis März fuhr der Konzern ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro ein. Beim Absatz steht ein Plus von 8,1 Prozent auf rund 527.000 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zu Buche. Und beim Vorsteuerergebnis ging’s um 5,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro nach oben. Damit lagen die Bayern auf breiter Front über den Erwartungen der Analysten.



9,5
Prozent
operative Marge hat BMW im ersten Quartal geschafft. Analysten hatten einen Rückgang erwartet. Damit liegen die Bayern vor Mercedes mit 9,4 Prozent, aber hinter Audi mit 9,7 Prozent.


Auch bei der operativen Rendite schlägt sich BMW hervorragend. Im ersten Quartal lag die wichtige Kennziffer bei 9,5 Prozent. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Zum Vergleich: Audi kam zum Jahresauftakt auf 9,7 Prozent, Erzrivale Mercedes-Benz auf 9,4 Prozent.

Neben dem starken Rückenwind von der Währungsseite profitierten die Bayern in den ersten drei Monaten vor allem von ihrer starken Produktpalette. Alleine im laufenden Jahr schickt der weiss-blaue Premium-Autobauer 15 komplett neue oder überarbeitete Fahrzeuge an den Start. Das zieht.

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Höhere Umsatzprognose



Angesichts des starken Jahresauftakts hob das Unternehmen die Umsatzprognose im Kerngeschäft zudem an. Im laufenden Jahr trauen sich die Münchner nun in der Autosparte eine "deutliche Umsatz-Verbesserung" zu, sagte Finanzchef Friedrich Eichiner. Bislang hatte BMW ein solides Umsatzplus in Aussicht gestellt. Unter Analysten gilt "solides Plus" als Hinweis auf einen Zuwachs zwischen fünf bis zehn Prozent. Deutlich bedeutet dagegen einen Anstieg von über zehn Prozent.

Zugleich bekräftigten die Bayern ihre Ziele für 2015. Danach soll das Konzernergebnis vor Steuern zwischen fünf und knapp zehn Prozent wachsen. Die operative Gewinnspanne im Autosegment soll erneut "im langjährigen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent liegen", sagte Eichiner am Mittwoch. Wenn die Weltwirtschaft nicht den Rückwärtsgang einlegt und das Wachstum in China einen Knacks kriegt, müsste das drin sein.

Sollte es anders kommen, stünde der neue BMW-Boss Harald Krüger vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Sorgen macht das dem scheidenden Konzernchef Reithofer indes nicht: Er kenne seinen Nachfolger Harald Krüger inzwischen schon seit gut 20 Jahren, sagte Reithofer, der mit der HV nächste Woche an die Aufsichtsratsspitze wechseln soll. Der neue an der Konzernspitze wisse schon, was "richtig ist und was nicht", sagte Reithofer in der Telefonkonferenz auf eine entsprechende Frage. Gemessen an den eher spröden BMW-Maßstäben ist das wohl der höchste Vertrauensbeweis, den man sich im weiten BMW-Reich wünschen kann.

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Einschätzung der Redaktion



BMW investiert derzeit kräftig in die weitere Expansion. Alleine im ersten Quartal stieg die Mitarbeiterzahl weltweit um 5,5 Prozent auf rund 117.000 Mitarbeiter an. Dazu kommen die Investitionen in die Modelloffensive. Vor allem die beiden Elektromodelle i3 und i8 waren in der Entwicklung teuer, haben bislang aber vergleichsweise überschaubare Absatzzahlen vorzuweisen.

Das dürfte sich so bald nicht ändern. Der neue BMW-Chef Harald Krüger wird sich davon aber wohl kaum beirren lassen. Denn der i3 und sein sportlicher Bruder i8 sind Imageträger und - was noch wichtiger ist - Technologieträger für die nächsten Dekaden.

Und im Kerngeschäft läuft es prächtig. Vor allem die 4er Reihe und der neue X5 verkaufen sich prächtig. Auch der neue X4 ist hervorragend angelaufen. Und pünktlich zur IAA im Herbst dürfte der Konzern auch den Schleier über der nagelneuen 7er-Reihe lüften. BMW ist solide finanziert, das 2016er KGV liegt bei moderaten 10,4.

Auch charttechnisch ist alles im grünen Bereich. Zwar ist das Papier im Zuge der aktuellen Marktkorrektur etwas unter Druck gekommen. Aber bei 102 Euro wartet eine starke Unterstützung. Vorsichtige Anleger warten die aktuelle Korrekturphase am Markt noch ab. Mutige Anleger können auf dem aktuellen Niveau erste Positionen aufbauen. Kaufen. Ziel 117 Euro. Stopp: 95 Euro.