Bundesregierung reformiert Investmentfonds-Besteuerung

Bundesregierung reformiert Investmentfonds-Besteuerung
24.02.2016 11:26:52

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will die betrugsanfällige Besteuerung von Investmentfonds reformieren und an die Rechtsprechung in der EU anpassen.

Das Kabinett verabschiedete dazu am Mittwoch den Entwurf für ein Investmentsteuer-Reformgesetz. Ziel ist es, die selbst für Experten kaum noch nachvollziehbaren Vorschriften deutlich zu vereinfachen. So sollen für in- und ausländische Fonds künftig weitgehend gleiche Regeln gelten. Außerdem werden weitere Steuerschlupflöcher gestopft. Die Opposition forderte Union und SPD auf, nun dem Druck der Finanzlobby standzuhalten.

Die Besteuerung von Investmentfonds und ihren Anlegern zählt zu den kompliziertesten Bereichen im Steuerrecht überhaupt. So müssen Fonds für ihre Anleger mitunter über 30 verschiedene Besteuerungsgrundlagen ermitteln - je nachdem, ob ihre Erträge aus in- oder ausländischen Dividenden, Mieten oder Pachten, Verkaufserlösen oder aus anderen Erträgen wie Zinsen stammen.

Mit dem Gesetzentwurf soll vieles einfacher werden. Künftig müssen Anleger für die Besteuerung nur noch vier Dinge wissen: Die Höhe der Ausschüttung, den Wert des Fondsanteils zum Anfang und Ende des Jahres sowie die Art des Fonds, also ob es sich um einen Aktien-, Immobilien-, Misch- oder sonstigen Fonds handelt. Ob der Fonds im In- oder Ausland sitzt, soll aus Sicht des Anlegers egal sein. Zudem soll die Steuerlast nicht steigen.

FONDS-AUSSCHÜTTUNGEN WERDEN TEILWEISE STEUERFREI

Bisher sind inländische Investmentfonds komplett von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit, während ihre ausländischen Konkurrenten vor allem bei inländischen Dividenden und inländischen Immobilienerträgen beschränkt steuerpflichtig sind. Künftig soll diese beschränkte Steuerpflicht mit einem Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent für alle Fonds gelten. Das hat Folgen. Denn während bisher bei inländischen Fonds die Besteuerung alleine auf der Ebene der Anleger stattfindet, kommt es nun zu einer Belastung auf beiden Ebenen: Fonds und Anleger.

Damit es dadurch nicht noch komplizierter wird, wird ein Teilfreistellungs-Verfahren eingeführt: Ausschüttungen eines Aktienfonds an Privatanleger werden zu 30 Prozent steuerfrei. Bei Mischfonds sind es 15 Prozent, bei Immobilienfonds bis zu 80 Prozent. Wenn ein Fonds seine Erträge nicht ausschüttet, sondern reinvestiert (thesauriert), wird ein fiktiver Gewinn beim Anleger ermittelt und besteuert. Verkauft er seine Anteile, wird diese Vorabpauschale mit der dann fälligen Steuer verrechnet.

REGIERUNG BEUGT EUGH-URTEIL VOR

In der Bundesregierung wird eingeräumt, dass es nicht nur darum geht, den Fonds, Anlegern und den Finanzämtern das Leben etwas leichter zu machen, sondern auch einer drohenden Schlappe vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) auszuweichen. Denn der EuGH hatte bereits im Fall von Frankreich und Polen die Ungleichbehandlung von in- und ausländischen Fonds gerügt. Mit der Reform wird auch der Verschiebung von Aktienpaketen vor und nach Dividendenstichtagen ein weiterer Riegel vorgeschoben: Um einen Anspruch auf Erstattung der bereits von der AG abgeführten Kapitalertragsteuer auf die Dividende zu bekommen, müssen die Anleger die Papiere künftig 45 Tage vor und nach dem Stichtag im Besitz haben. Diese Regelung soll bereits rückwirkend zum Beginn dieses Jahres gelten, der übrige Teil des Gesetzes Anfang 2018.

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sagte Reuters, die Regierung habe das Gesetz jahrelang verschleppt. Nun komme es darauf an, im weiteren Gesetzgebungsverfahren dem Lobbydruck standzuhalten. Bereits jetzt zeichne sich ab, dass für reiche Anleger neue Möglichkeiten zum Steuersparen geschaffen würden.

Anmeldung notwendig

Benutzername oder E-Mail:
Passwort:
Anmelden
Um diese Funktionalität nutzen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Falls Sie noch kein Benutzerkonto bei boerse-online.de besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Eintrag hinzufügen

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit