Chinas Wirtschaft schwächelt auch zu Jahresbeginn

Chinas Wirtschaft schwächelt auch zu Jahresbeginn
12.03.2016 15:21:57

- von David Stanway und Xiaoyi Shao

Peking (Reuters) - Die chinesische Wirtschaft sendet erneut Signale einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur.

Der Zuwachs bei der Industrieproduktion lag in den ersten beiden Monaten auf dem niedrigsten Niveau seit der weltweiten Finanzkrise im Herbst 2008. Rückläufig ist die Rohstoff-Förderung, etwa im Stahl- und Kohlebereich, in dem die Unternehmen der Volksrepublik seit Jahren weit über Bedarf produziert haben. Der Umbau der exportlastigen Wirtschaft hin zu mehr Dienstleistungen und Konsum wird Experten zufolge schmerzhaft. Hochrangige Entscheidungsträger in China betonen jedoch, dass die Wachstumsziele der Regierung nicht in Gefahr seien.

Viele Staatsunternehmen haben Probleme, schreiben teilweise seit Jahren Verluste und beschäftigen zu viele Mitarbeiter. Von "Zombie-Firmen" ist die Rede. Insider hatten Reuters zuletzt gesagt, dass hier in den nächsten zwei bis drei Jahren fünf bis sechs Millionen Arbeiter entlassen werden müssen. So etwas hat es in China seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben, weil die Wirtschaft lange boomte. "Es wird Fusionen und Restrukturierungen geben, aber so wenig Pleiten wie möglich", sagte der Chefaufseher über die staatlichen Vermögenswerte, Xiao Yaqing, am Samstag.

China hat rund 150.000 Staatsbetriebe, die auf Vermögenswerte von umgerechnet knapp 14 Billionen Euro kommen und mehr als 30 Millionen Menschen einen Job geben. Pilotprojekte der kommunistischen Führung zur Öffnung des Bereichs sind geplant. Es sollen mehr private Investments in die Staatsbetriebe zugelassen werden.

Notenbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan sagte in Peking, exzessive Konjunkturhilfen seien nicht nötig, um die neuen Wachstumsziele für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA zu erreichen. Für 2016 peilt die chinesische Regierung ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt zwischen 6,5 und 7,0 Prozent an. Im vergangenen Jahr waren es 6,9 Prozent - so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Die Geldpolitik werde flexibel bleiben, um auf konjunkturelle Schocks reagieren zu können. Seit November 2014 wurden die Leitzinsen bereits sechs Mal gesenkt. Außerdem müssen Banken weniger Kapital als Mindestreserve vorhalten.

Die chinesische Industrieproduktion legte im Januar und Februar nur um 5,4 Prozent zu, weniger als von Ökonomen erwartet, wie das Statistikamt am Wochenende bekanntgab. Im Dezember gab es noch ein Plus von 5,9 Prozent. Auch die Umsätze im Einzelhandel fielen schlechter als erwartet aus, stiegen im Januar und Februar aber noch um 10,2 Prozent. Wegen des Neujahrsfestes haben die Statistiker die Daten für die ersten beiden Monate zusammengefasst. Der Zeitpunkt des wichtigsten Feiertages im Land variiert stets. Fabriken schließen dann oft mehrere Tage.

Der Chef des US-Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, sagte bei einer Banken-Konferenz in Mexiko, China stelle für die Finanzmärkte vermutlich das größte Risiko dar. Auch die seit Jahren extrem lockere Geldpolitik in vielen Ländern sei ein Problem: "So wie ein Verwandter, der zu lange bei euch zu Hause bleibt, denke ich, dass sie (die Notenbanken) zu lange an der selben Politik festgehalten haben." Negative Zinsen - wie sie auch in der Euro-Zone beim sogenannten Einlagensatz gelten - seien schädlich. Es müsse eher Reformen in Ländern wie Japan und Indien geben.

Auswirkungen hat die Konjunkturabkühlung in China auch auf Hongkong. Die Rating-Agentur Moody's senkte den Ausblick für die Bonitätsnote der ehemaligen britischen Kronkolonie auf "negativ", was eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit signalisiert. Begründet wurde der Schritt auch mit dem wachsenden politischen Einfluss Chinas auf die Finanzmetropole. Ein Sprecher der Regierung von Hongkong sagte, die Moody's-Einschätzung enthalte spekulative Elemente und sei sehr subjektiv.

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