DETROIT/GESAMT-ROUNDUP: 'Gegenwind' in USA für deutsche Autoindustrie

DETROIT/GESAMT-ROUNDUP: 'Gegenwind' in USA für deutsche Autoindustrie

WKN: 710000 ISIN: DE0007100000 Daimler AG

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26.09.2016 - 17:55
11.01.2016 18:04:40

DETROIT (dpa-AFX) - Die gesamte deutsche Autoindustrie kämpft auf dem wichtigen US-Markt mit den Auswirkungen des "Dieselgate"-Skandals von Volkswagen (Volkswagen vz). Als Folge der Abgas-Manipulationen sei die Diesel-Strategie "erheblich beschädigt", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, am Montag zum Start der Automesse in Detroit. Der VDA rechnet für dieses Jahr nur mit stagnierenden Absatzzahlen für die deutschen Hersteller in den USA. Volkswagen selbst will aus der Defensive kommen und greift dafür noch tiefer in die Tasche. Betroffene US-Kunden sollen mehr Einkaufsgutscheine und Bargeld bekommen, außerdem soll es bald technische Lösungen geben.

Wissmann sagte, die Auswirkungen des VW (Volkswagen vz)-Skandals seien "noch nicht vollständig erkennbar". Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Autobauer ihren Absatz in den USA noch um 2 Prozent auf rund 1,4 Millionen Neuwagen gesteigert. Der VW-Absatz in den USA war allerdings deutlich gesunken. Mittelfristig rechnet Wissmann mit einem weiteren Wachstum der deutschen Marken auf dem US-Markt.

KEIN ABSCHIED VON DIESEL-STRATEGIE

Die Verfehlungen eines einzelnen Herstellers dürften aber nicht die Diesel-Technologie als Ganzes beschädigen, sagte Wissmann. "Trotz des Gegenwinds, den wir natürlich gerade hier in den USA erleben, wird sich die deutsche Automobilindustrie nicht von der Diesel-Strategie verabschieden." Der Diesel könne beim Verbrauch und damit bei den CO2-Emissionen seine Vorteile ausspielen "Und zwar legal und ohne Tricks", sagte der VDA-Präsident.

Der Diesel fristet in den Vereinigten Staaten ein Nischendasein, in dem die Deutschen 95 Prozent Marktanteil stellen. Fiat Chrysler -Chef Sergio Marchionne sagte mit Blick auf den Skandal bei VW, der Diesel habe stark gelitten. "Der Schaden ist nicht irreparabel, aber heftig." Daimler-Chef Dieter Zetsche will am Diesel festhalten, allerdings nicht schwerpunktmäßig in den USA. "Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen - vor allem in Europa", sagte Zetsche.

USA-AUTOMARKT BLEIBT AUF WACHSTUMSKURS

Insgesamt bleibt der US-Automarkt aus VDA-Sicht weiter auf Wachstumkurs. Hauptreiber sind billige Benzinpreisen und niedrige Finanzierungszinsen. Die nach China größte Absatzregion der Welt dürfte 2016 bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent zulegen, sagte Wissmann. Er rechnet damit, dass im laufenden Jahr 17,5 Millionen Pkw, SUV und Pick-Ups in den USA verkauft werden.

Allerdings verliere das Pkw-Segment, in dem die deutschen Marken stark sind, an Gewicht. Dagegen wächst das Light-Truck-Segment, in dem vor allem die US-amerikanischen Hersteller stark sind. Der Marktanteil der deutschen Hersteller in den USA sank 2015 leicht auf 8,0 Prozent, nach 8,3 Prozent im Vorjahr.

VW-CHEF MÜLLER ENTSCHULDIGT SICH

Besonders Volkswagen steht vor einem wegweisenden Jahr in den USA. Konzernchef Matthias Müller entschuldigte sich bei seinem ersten Besuch in den Vereinigten Staaten seit dem Ausbruch des Abgas-Skandals für die Manipulationen. "Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben", sagte Müller in Detroit. "Es sind nicht nur unsere Autos, die wir reparieren müssen - es ist auch unsere Glaubwürdigkeit."

VW hatte Mitte September eingeräumt, mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Dies hatte den Konzern in eine schwere Krise gestürzt.

SCHNELLE HILFE FÜR BETROFFENE VERSPROCHEN

Der Chef der Konzern-Kernmarke VW, Herbert Diess, versprach den vom Abgas-Skandal betroffenen Kunden in den USA schnelle Hilfe. "Wir sind zuversichtlich, dass wir schnell zu Lösungen kommen", sagte Diess. Den amerikanischen Behörden liegen inzwischen Vorschläge für die Umrüstung von Autos mit manipulierten Abgaswerten vor. Zu Details wollte VW aber noch nichts sagen.

Am Mittwoch will sich Konzernchef Müller mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, treffen. Am Donnerstag dann sollen die US-Aufseher über die VW-Vorschläge für eine Beseitigung der Betrugsprogramme entscheiden. Auf VW könnten teure Nachbesserungen oder sogar Auto-Rückkäufe zukommen. Insgesamt sind in Amerika knapp 600 000 Autos mit einer Betrugs-Software zur Schönung der Abgaswerte ausgestattet.

GUTSCHEINPROGRAMM ERWEITERT

Der Skandal war von US-Umweltbehörden aufgedeckt worden. Für die betroffenen Dieselfahrzeuge in Europa stehen die technischen Lösungen bereits. VW drohen aufgrund des Skandals Milliardenstrafen.

Um Vertrauen von Kunden in den Vereinigten Staaten zurückzugewinnen, erweitert VW sein Gutscheinprogramm. Diess sagte, dass auch betroffene Kunden von Touraeg-Modellen mit den großen 3,0-Liter-Motoren in den Genuss eines Gutscheinprogramms kommen sollen. Dies gilt bereits für Kunden des kleineren 2,0-Liter-Dieselantriebs. Dabei bekommt jeder Kunde 1000 Dollar, bestehend aus Bargeld und Einkaufsgutscheinen für VW-Händler. Kunden, die sich für die Gutscheine entscheiden, müssen ihre Haftungsansprüche gegenüber VW nicht aufgegeben./loh/DP/jha

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