Dass unsere Gesellschaft altert, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Aber genau darin liegt der Charme. Denn dieser Trend ist sehr langfristig prognostizierbar, da die zukünftigen Umstände schon heute bekannt sind. Wir wissen sehr genau, wie viele Menschen heute auf der Welt leben, die derzeit 30, 40 oder 50 Jahre alt sind. Wir können daher recht präzise abschätzen, wie viele 70-, 80- oder 90-Jährige es in 40 Jahren geben wird. Eine solche Prognosesicherheit gibt es selten.

Bis zum Jahr 2050 wird sich weltweit die Zahl der Menschen über 80 Jahre mehr als verdoppeln. Schon heute sind 14 Prozent der Weltbevölkerung älter als 65 Jahre. Dieser dramatische demografische Wandel fordert innovative Lösungen, beispielsweise dafür, wie die steigende Anzahl alter und sehr alter Menschen - bei gleichzeitigem Pflegenotstand - ausreichend versorgt werden kann. Pflege- und Reha-Robotik werden in diesem Bereich schon bald eine wichtige Rolle spielen.

Obwohl sich das "Altersbeben" schon lange abgezeichnet hat, wurde es erst spät erkannt. Ausnahmslos alle Industrieländer erleben seit einigen Jahrzehnten einen demografischen Wandel. Alle Gesellschaften auf allen Kontinenten altern mit hoher Geschwindigkeit. So richtig möchte das immer noch niemand wahrhaben. Doch liegt etwa in Deutschland bereits seit 1972 die Sterberate höher als die Geburtenrate, was seit knapp einem halben Jahrhundert zu einer abnehmenden Bevölkerungszahl führt. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. So hat sich die Dauer des Rentenbezugs in Deutschland seit 1960 glatt verdoppelt.

Roboter im weißen Kittel



In der Medizin werden Roboter für Untersuchungen, Operationen und Rehabilitation eingesetzt und verrichten seit Jahren einfache Aufgaben im Krankenhausalltag. Schon heute sind Roboter zur Stelle, wenn es darum geht, Diagnosen zu stellen, Behandlungen zu planen und Operationen durchzuführen.

Künftig könnten die mechatronischen Assistenten auch dazu beitragen, die Autonomie und Lebensqualität von Patienten und hilfsbedürftigen Menschen zu verbessern. Älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen, das ist das erklärte Ziel des Forschungsgebiets Ambient Assisted Living (AAL), das hierzulande vom Bundesforschungsministerium kräftig unterstützt wird. Längst gibt es auch elektronische "Gesundheitsassistenten", die das gesundheitliche Monitoring übernehmen, an Medikamente, Geburtstage und Termine erinnern, zur gesundheitlichen Prävention animieren, den Kontakt zu Freunden und Verwandten erleichtern, Zeitungsberichte vorlesen, Notizen und Einkaufslisten verwalten und auch als Fitness-Animatoren einsetzbar sind. Natürlich werden aber nicht nur die Roboter das Rennen auf dem Zukunftsmarkt der alternden Gesellschaft machen.

Das Fusionsfieber in der Pharmaindus-trie wurde in den vergangenen Jahren unter anderem dadurch angetrieben, dass die milliardenschweren Pillendreher um die besten Startplätze für den Wettbewerb um die Senioren kämpften. Mittlerweile ist klar, dass auch spezialisierte Händler wie beispielsweise Apotheken und Drogerien massiv vom demografischen Wandel profitieren werden.





Drei mögliche Gewinner



Die global zu beobachtende Alterung der Gesellschaft wird den Markt der Gesundheitsdienstleistungen in den nächsten Jahren massiv antreiben. Aus diesem Grunde haben wir uns drei Unternehmen herausgepickt, von denen wir glauben, dass diese von den einzelnen Parametern einer alternden Gesellschaft ganz besonders profitieren könnten.

Mehr als 2,8 Millionen Menschen leiden an Nierenversagen. Fresenius Medical Care (FMC) ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für die Dialysetechnik und für die Behandlung von chronischem Nierenversagen. Angeboten werden Dialysegeräte, das dafür benötigte Einmalzubehör, Dialysemedikamente sowie Labordienstleistungen und Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Dialyse. Das Unternehmen unterstützt dabei die beiden hauptsächlichen Behandlungsverfahren Hämodialyse und Peritonealdialyse. Größter Einzelaktionär ist mit einem Anteil von 30,8 Prozent des Kapitals Fresenius. Die restlichen Aktien sind in Streubesitz.

In der Vergangenheit ist FMC sowohl organisch als auch durch Übernahmen stark gewachsen. Am 1. Dezember 2011 hat das Unternehmen acht Dialysekliniken in Ecuador übernommen. Am 29. Februar 2012 erwarb FMC die US-Holding Liberty Dialysis Holdings, zu der die beiden amerikanischen Unternehmen Liberty Dialysis und Renal Advantage gehören. Die Gesellschaft ist mit Produktionsstätten auf allen Kontinenten vertreten und erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 16,74 Milliarden US-Dollar (2014: 15,83 Milliarden US-Dollar).

Omega Healthcare investiert als Real Estate Investment Trust (REIT) in Pflegeheime in den USA und Großbritannien. Das Unternehmen lockt mit kontinuierlich steigenden Ausschüttungen und einer attraktiven Dividendenrendite von sieben Prozent. Es ist hauptsächlich auf Immobilien aus dem Gesundheits- und Seniorenbereich spezialisiert.

Ein Schwerpunkt liegt auf Pflegeeinrichtungen sowie Wohn- und Therapieeinheiten, die unterstütztes Wohnen und gemeinschaftliches Wohnen unter ärztlicher Betreuung und Rehabilitation offerieren. Ein Boom ist auf diesen Gebieten (nicht nur) in den USA unverkennbar: Immer mehr Menschen, die immer älter werden, möchten in Wohngemeinschaften leben, in denen sie altersgemäß untergebracht sind und möglichst autonom ihren Alltag gestalten können. Die Nachfrage ist enorm. Mit einer Dividende von fast sieben Prozent gehört Omega Healthcare zu den prominenten Playern am Markt. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 606 Millionen US-Dollar (2014: 388 Millionen US-Dollar).

Gesundheit statt Lampen



Der Elektrokonzern Philips will sich in Zukunft vor allem auf Medizintechnik konzentrieren. Im Mai leitete Philips mit dem Börsengang der wenig rentablen Leuchtensparte die Trennung vom Lampengeschäft ein. Der niederländische Konzern hat sich damit in erster Linie auf Gesundheitsprodukte ausgerichtet und besetzt marktführende Positionen insbesondere in den Bereichen Kardiologie, Notfallmedizin und Gesundheitsversorgung.

Mit den neuen sogenannten "Aging Well Services" will Philips auf dem Gesundheitssektor alle drei Interessengruppen - Patienten, Krankenkassen und Gesundheitsdienstleister - ansprechen. Philips versorgt mit seinen Produkten Fachkräfte und Patienten in jedem Stadium des Krankheitsverlaufs: von der Vorsorge über die Diagnose und Behandlung bis hin zur Patientenüberwachung und dem aktiven Gesundheitsmanagement sowohl stationär als auch im Heimbereich. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 24,44 Milliarden Euro (2014: 21,391 Milliarden Euro). andreas Meyer