"Die Fusion, so wie wir sie andenken, wird Frankfurt nützen und nicht schaden", sagte Kengeter der "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe). "Es geht nicht um einen Ausverkauf". Er sei sicher, die Skeptiker zu überzeugen, sobald er die Pläne für die neue Börse detailliert vorstellen könne.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange verhandeln derzeit die Einzelheiten der gut 25 Milliarden Euro schweren Fusion. Fest steht bereits, dass die Mega-Börse ihren Sitz in London haben soll. Unterhalb der Holding bleiben beide Unternehmen erhalten, das gleiche gilt für die Hauptquartiere und die Börsennotierungen in Frankfurt und London. Manager und Politiker haben aber dennoch Sorgen, dass auf lange Sicht zu viele Entscheidungskompetenzen nach London abwandern könnten.

Welche Zentralfunktionen in Frankfurt erhalten bleiben, könne er aus rechtlichen Gründen noch nicht sagen, sagte Kengeter. "Aber es werden sich die jeweiligen Stärken der Unternehmen und der beiden Finanzplätze widerspiegeln." Eine Nähe zur Bundesbank und zur Europäischen Zentralbank, die beide ihren Sitz in Frankfurt haben, sei "extrem wichtig".

Die Börsenfusion könnte noch von den Wettbewerbshütern und amerikanischen Konkurrenten torpediert werden. Der US-Börsenbetreiber ICE prüft eine Gegenofferte, auch die Chicago Mercantile Exchange (CME) könnte noch auf den Plan treten. Er sei zuversichtlich, dass die Aktionäre der Fusion zustimmen werden, sagte Kengeter. "Mit den deutlichen Kurssprüngen am Tag des Bekanntwerdens hat der Markt ein deutliches Vertrauensvotum für die Logik des Zusammenschlusses gegeben". Im vergangenen Jahr habe die Deutsche-Börse-Aktie deutlich an Wert aufgeholt. "Die Deutsche-Börse-Aktionäre sollten den Charme dieses Merger of Equals und die Gunst der Stunde erkennen", warb Kengeter.

Der Manager zeigte sich zuversichtlich, auch die Wettbewerbshüter, die 2012 die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext untersagt hatten, von dem Zusammenschluss zu überzeugen. Es entstünden keine Wettbewerbsbeschränkungen. "Denn zum einen gibt es in Europa mehr Wettbewerber; auch US-Anbieter sind vertreten. Und zum anderen liegen die Vorteile aus dem Zusammengehen ja vor allem bei den Kunden."

Reuters