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Deutsche Börse-Aktie fällt durch Insiderhandels-Verdacht: Das sollen Anleger jetzt tun

Deutsche Börse-Aktie fällt durch Insiderhandels-Verdacht: Das sollen Anleger jetzt tun

WKN: 581005 ISIN: DE0005810055 Deutsche Börse AG

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24.03.2017 - 18:17
03.02.2017 04:55:00

Die Ermittlungen hätten zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Mitten im Tauziehen über die Fusion mit der Londoner Börse ist Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ins Visier der Strafverfolger geraten. Der Vorwurf: Kengeter habe die Fusionpläne früh gekannt und sein Wissen für Insiderhandel im großen Still genutzt. Von Peter Schweizer



Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Deutsche Börse-Chef Kengeter wegen Insiderhandels, weil er gut zwei Monate vor dem Bekanntwerden der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) in großem Stil Aktien von Deutschlands größtem Börsenbetreiber gekauft hat. Zu diesem Zeitpunkt habe er schon seit Monaten Gespräche mit der LSE geführt, erklärte die Behörde am Donnerstag. Aufsichtsratschef Joachim Faber stellte sich hinter seinen Vorstandschef. "Die Vorwürfe sind haltlos", ließ er am Mittwochabend mitteilen. Kengeter habe die Aktien etwa einen Monat vor der Aufnahme konkreter Fusionsverhandlungen mit der LSE gekauft.



Es geht um Deutsche-Börse-Aktien für 4,5 Millionen Euro, die Kengeter laut Geschäftsbericht im Dezember 2015 aus eigenen Mitteln kaufte. Gleichzeitig verpflichtete er sich, diese mindestens bis Ende 2019 zu halten. Das war die Voraussetzung dafür, dass er von der Deutschen Börse im Rahmen des Vergütungsprogramms zusätzlich sogenannte Co-Performance Shares für ebenfalls 4,5 Millionen Euro bekam. Deren Wertentwicklung hängt vom Konzernüberschuss in den kommenden fünf Jahren sowie von der Aktienrendite der Deutschen Börse im Vergleich zu anderen Finanzkonzernen ab. Ausbezahlt werden sie schrittweise ab 2019. Der Aufsichtsrat wollte Kengeter einem Insider zufolge durch das Programm langfristig an das Unternehmen binden. Die Compliance- und Rechtsabteilung habe den Aktienkauf vorab geprüft und grünes Licht gegeben. Kengeter selbst hat über den Aktienkauf im Januar 2016 in einem Zeitungsinterview offen gesprochen. Der Vermögensverwalter einer großen Bank habe die Aktien für ihn in drei Orders zu jeweils 20 000 Stück gekauft, sagte er damals, versehen mit klaren Preislimits. Das Problem: Nur weniger Wochen später machte die Börse die Fusionspläne mit der LSE öffentlich. Beide Aktienkurse zogen daraufhin deutlich an.


Um den Insiderhandelsverdacht zu klären, hatten Ermittler und Polizisten am Mittwochvormittag das Büro Kengeters in Eschborn bei Frankfurt sowie seine Wohnung im Frankfurter Westend durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. "Das Unternehmen und der Vorstandsvorsitzende kooperieren in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft", betonte die Deutsche Börse. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten die "Leitungsebenen" der Deutschen Börse und der LSE bereits im Juli/August 2015 über eine mögliche Fusion und sogar über den Sitz einer gemeinsamen Holding gesprochen. "Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, Mitte Dezember 2015 in Kenntnis dieser bis dato nicht veröffentlichten Vertragsgespräche, welche die Staatsanwaltschaft als Insiderinformation (...) wertet, Aktien der Deutsche Börse AG erworben zu haben." Faber stellte sich hinter den Vorstandschef: Er habe die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms gekauft, das vom Aufsichtsrat beschlossen worden und das bis Ende Dezember 2015 befristet gewesen sei.

Interessant ist, dass die Staatsanwaltschaft dem Verdacht auf Insiderhandel bereits seit fast einem Jahr nachgeht. Im Februar 2016 lösten Strafanzeigen gegen Kengeter, eine davon anonym, die Ermittlungen aus.

Die LSE will sich von den Ermittlungen gegen Kengeter nicht von dem Fusionsplan abbringen lassen. Die Londoner Börse begrüße die Rückendeckung Fabers für den Deutsche-Börse-Chef. "Wir freuen uns, weiter an der Vollendung der vorgeschlagenen Fusion zu arbeiten", sagte ein LSE-Sprecher. Die beiden Börsenbetreiber haben dabei aber noch hohe regulatorische Hürden zu überwinden, von der EU-Kommission bis zur hessischen Börsenaufsicht. Ein Knackpunkt ist, wo die fusionierte Börse ihren Sitz haben soll - zumal nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Die Deutsche-Börse -Aktie gab am Donnerstag 1,2 Prozent nach, LSE verloren 0,8 Prozent.

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Bildquelle: Reuters
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